Ablauf

Wie eine ISO-Zertifizierung abläuft

Der Ablauf ist bei jeder akkreditierten Zertifizierungsstelle gleich — er ist selbst genormt. Was sich unterscheidet, ist die Zeit davor. Diese Seite zeigt beides: den formalen Verfahrensweg und den realistischen Vorlauf.

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Auditor im Gespräch mit einer Mitarbeiterin am Arbeitsplatz

Wer zum ersten Mal eine Zertifizierung plant, unterschätzt meist nicht das Audit, sondern die Zeit davor. Das Verfahren selbst umfasst wenige Tage. Der Weg dorthin dauert Monate und lässt sich nur begrenzt beschleunigen, weil die Norm Nachweise über einen gelebten Betriebszeitraum verlangt.

Diese Seite ist die Klammer über den gesamten Zyklus. Die einzelnen Stationen sind eigenständig beschrieben — das externe Audit unter Zertifizierungsaudit, die Jahre danach unter Überwachungsaudit.

Der Verfahrensweg in zwölf Schritten

  1. Geltungsbereich festlegen und mit den Erwartungen der Auftraggeber abgleichen.
  2. Bestandsaufnahme: Was existiert bereits, wenn auch unter anderem Namen?
  3. Prozesse, Verantwortlichkeiten und dokumentierte Informationen festlegen.
  4. System in Betrieb nehmen und Aufzeichnungen entstehen lassen.
  5. Vollständigen Zyklus interner Audits durchführen und auswerten.
  6. Managementbewertung durch die oberste Leitung.
  7. Korrekturmaßnahmen aus den eigenen Befunden umsetzen und ihre Wirksamkeit prüfen.
  8. Zertifizierungsstelle auswählen, Auditvolumen und Termine vertraglich fixieren.
  9. Stufe-1-Audit: Prüfung der Auditbereitschaft.
  10. Offene Punkte aus Stufe 1 abarbeiten.
  11. Stufe-2-Audit: Prüfung der Wirksamkeit im Betrieb.
  12. Abweichungen schließen, Zertifikatsentscheidung, Start des Drei-Jahres-Zyklus.

Die Schritte 1 bis 7 verantworten Sie allein. Die Zertifizierungsstelle kommt erst ab Schritt 8 ins Spiel — und kann nichts beschleunigen, was davor versäumt wurde.

Phase 1: Vorbereitung (3 bis 9 Monate)

Geltungsbereich festlegen. Das ganze Unternehmen, ein Standort, eine Produktlinie? Der Geltungsbereich steht später auf dem Zertifikat und entscheidet darüber, ob es den Zweck erfüllt, für den Sie es beschaffen.

Bestandsaufnahme. In den meisten Unternehmen existiert mehr, als die Beteiligten glauben: Arbeitsanweisungen, Prüfprotokolle, Lieferantenbewertungen. Es ist nur nicht als System beschrieben und nicht mit den Normkapiteln verknüpft.

Aufbau. Prozesse festlegen, Verantwortlichkeiten klären, dokumentierte Informationen erstellen. Die verbreitete Fehleinschätzung: Es gehe darum, Dokumente zu produzieren. Tatsächlich geht es darum, Entscheidungen zu treffen, die bisher niemand explizit getroffen hat — wer Lieferanten freigibt, wer Abweichungen bewertet.

Phase 2: Betriebs- und Nachweisphase (mindestens 3 Monate)

Ein Managementsystem kann nicht geprüft werden, bevor es gelaufen ist. Sie brauchen Aufzeichnungen aus dem laufenden Betrieb, einen vollständigen Zyklus interner Audits über alle Normkapitel und Prozesse, eine Managementbewertung mit den in Kapitel 9.3 geforderten Eingaben und dokumentierte Korrekturmaßnahmen zu den gefundenen Abweichungen.

Diese Phase ist der häufigste Grund für Terminverschiebungen. Wer im Januar startet und im März zertifiziert sein will, scheitert nicht an fehlender Qualität, sondern daran, dass es nichts zu prüfen gibt.

Was die Zertifizierungsstelle sehen will — und in welcher Reihenfolge

Der Auditor arbeitet von der Systemebene zur Praxis. Diese Reihenfolge ist bei fast jedem Erstaudit gleich:

ReihenfolgeWas verlangt wirdWoran es typischerweise hakt
1Geltungsbereich und OrganigrammBereiche fehlen, die faktisch mitwirken
2Kontext, interessierte Parteien, Risiken und Chancenals Einmalübung erstellt, seither nicht angefasst
3Politik und messbare ZieleZiele ohne Messgröße, ohne Termin, ohne Verantwortlichen
4Prozesslandkarte und ProzessbeschreibungenBeschreibungen weichen vom Gelebten ab
5Auditprogramm, Auditpläne, AuditberichteProgramm ist eine Terminliste ohne Risikobezug
6Managementbewertung mit allen Eingabeneinzelne Pflichteingaben fehlen
7Abweichungen, Korrekturmaßnahmen, WirksamkeitsnachweiseMaßnahmen offen oder pauschal als erledigt markiert
8Aufzeichnungen aus dem Tagesgeschäftnur Musterfälle vorbereitet, Stichproben unvollständig

Die Punkte 5 bis 7 sind das Nadelöhr: Sie belegen, dass sich das System selbst überwacht.

Phase 3: Das Zertifizierungsverfahren

Die Zertifizierungsstelle ermittelt zunächst das Auditvolumen nach dem Regelwerk IAF MD 5. Es folgen Stufe 1 und Stufe 2, auf der Seite zum Zertifizierungsaudit im Detail beschrieben. Am Ende von Stufe 2 steht das Abschlussgespräch mit den Feststellungen. Eine Hauptabweichung hält die Erteilung an, bis die Behebung nachgewiesen ist; Nebenabweichungen werden mit einem Maßnahmenplan und einer Nachweisfrist bearbeitet, und das Zertifikat wird in der Regel trotzdem erteilt. Welche Nachweise dabei anerkannt werden, steht unter Nichtkonformität.

Nach Abschluss der Abweichungen prüft ein unabhängiger Entscheider innerhalb der Zertifizierungsstelle den Auditbericht und erteilt das Zertifikat. Diese Trennung zwischen Auditor und Entscheider ist in ISO/IEC 17021 vorgeschrieben und einer der Gründe, warum das Verfahren nach dem Abschlussgespräch noch einige Wochen dauert.

Phase 4: Der Drei-Jahres-Zyklus und seine Fristen

Das Zertifikat gilt drei Jahre. In Jahr 1 und 2 findet je ein Überwachungsaudit statt, in Jahr 3 die Rezertifizierung. Zwei Fristen entscheiden darüber, ob die Zertifikatskette hält: Das erste Überwachungsaudit muss binnen zwölf Monaten nach dem Stufe-2-Audit stattfinden — gezählt ab dem Audittag, nicht ab dem Ausstellungsdatum. Und die Rezertifizierung muss einschließlich Abweichungsbearbeitung und Entscheidung abgeschlossen sein, bevor das alte Zertifikat endet.

Wird sie zu spät angesetzt, entsteht eine Lücke in der Zertifikatskette. Das neue Zertifikat trägt ein späteres Startdatum, und in Ausschreibungen müssen Sie eine Unterbrechung erklären. Bei längerem Verzug bleibt nur eine vollständige Erstzertifizierung mit Stufe 1 und Stufe 2.

Wenn etwas schiefgeht

Das Verfahren kennt drei Eskalationsstufen in dieser Reihenfolge:

Nachaudit. Bei einer Hauptabweichung oder wenn Nachweise nicht per Unterlage prüfbar sind, kommt der Auditor erneut. Das kostet Audittage.

Aussetzung. Versäumte Termine, offene Hauptabweichungen oder Missbrauch des Zertifizierungszeichens führen zur Aussetzung des Zertifikats. Sie dürfen es dann nicht verwenden — auch nicht in laufenden Angeboten.

Entzug. Wird die Ursache nicht fristgerecht behoben, folgt der Zertifikatsentzug, und das Verfahren beginnt von vorn.

Realistische Zeitplanung

AusgangslageBis zum Zertifikat
Kein Managementsystem, kleines Unternehmen6 bis 9 Monate
Kein Managementsystem, mittlerer Betrieb mit mehreren Standorten9 bis 15 Monate
Bestehendes System nach anderer Norm, integriert aufgebaut3 bis 6 Monate
Erweiterung eines bestehenden Zertifikats um eine zweite Norm2 bis 4 Monate

Der Engpass ist fast nie die Zertifizierungsstelle, sondern die interne Kapazität. Wird die Aufgabe „nebenbei” verteilt, verlängert sich alles — und nicht linear, weil jede Unterbrechung Wiedereinarbeitung kostet.

Der teuerste vermeidbare Fehler ist ein anderer: den Geltungsbereich zu spät mit dem Auftraggeber abzustimmen. Eine nachträgliche Erweiterung bedeutet ein zusätzliches Audit und im ungünstigen Fall ein Zertifikat, das seinen Zweck bis zur nächsten Rezertifizierung nicht erfüllt.

Häufige Fragen

Kann man die Stufe-1- und Stufe-2-Audits zusammenlegen?

Bei Erstzertifizierungen von Managementsystemen ist ein zweistufiges Verfahren vorgeschrieben. Zwischen beiden Stufen muss genug Zeit liegen, um die Feststellungen aus Stufe 1 zu bearbeiten — üblich sind vier bis acht Wochen. Nur in eng begrenzten Fällen und bei sehr kleinen Organisationen können die Termine dicht aufeinanderfolgen.

Wie viele Audittage werden angesetzt?

Das Auditvolumen ist international im Regelwerk IAF MD 5 geregelt und richtet sich vor allem nach der Zahl der Mitarbeitenden im Geltungsbereich sowie nach Komplexitätsfaktoren wie Standortzahl, Schichtbetrieb und Prozessvielfalt. Eine Zertifizierungsstelle kann davon nicht beliebig nach unten abweichen — ein Angebot mit auffällig wenigen Audittagen ist ein Warnsignal.

Was ist, wenn das Audit nicht bestanden wird?

Ein förmliches Durchfallen gibt es nicht. Es gibt Abweichungen, die geschlossen werden müssen. Nebenabweichungen werden mit einem Maßnahmenplan bearbeitet, das Zertifikat wird meist trotzdem erteilt. Bei einer Hauptabweichung wird die Erteilung ausgesetzt, bis der Nachweis der Behebung vorliegt — häufig verbunden mit einem Nachaudit.

Muss die Zertifizierungsstelle akkreditiert sein?

Rechtlich nicht. Praktisch fast immer: Ausschreibungen und Lieferantenfreigaben verlangen in der Regel ein Zertifikat einer bei der DAkkS oder einer gleichwertigen Stelle akkreditierten Zertifizierungsstelle. Ein Zertifikat ohne Akkreditierung kostet weniger, wird aber in vielen Vergabeverfahren nicht anerkannt. Prüfen Sie vor der Beauftragung, ob die Norm im Akkreditierungsumfang der Stelle enthalten ist.

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