Audit und Prüfung

Erstzertifizierung

Die Erstzertifizierung ist das erstmalige Zertifizierungsverfahren einer Organisation — zweistufig aufgebaut und Grundlage für den anschließenden Drei-Jahres-Zyklus.

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Zwei Personen prüfen gemeinsam Unterlagen an einem Tisch

Die Erstzertifizierung ist der Einstieg in den Zertifizierungszyklus. Sie unterscheidet sich von allen späteren Audits durch ihre Zweistufigkeit und durch den Umfang: Hier wird das gesamte System zum ersten Mal von außen geprüft.

Die Voraussetzungen

Vor dem Stufe-2-Audit müssen vorliegen:

  • ein vollständiger interner Auditzyklus über alle Prozesse und Normkapitel,
  • eine Managementbewertung mit den geforderten Eingaben,
  • Aufzeichnungen aus dem laufenden Betrieb über einen aussagekräftigen Zeitraum,
  • bearbeitete Abweichungen aus dem internen Audit,
  • ein festgelegter und formulierter Geltungsbereich.

Diese Liste ist der Grund, warum sich der Termin nicht beliebig vorziehen lässt. Das System muss gelaufen sein, bevor es geprüft werden kann.

Der Ablauf

Stufe 1 prüft die Auditbereitschaft: Dokumentation, Verständnis der Normanforderungen, Stand von internem Audit und Managementbewertung. Ergebnis ist ein Bericht mit offenen Punkten — keine formalen Abweichungen, aber eine präzise Liste dessen, was bis Stufe 2 zu erledigen ist.

Zwischen den Stufen liegen üblicherweise vier bis acht Wochen.

Stufe 2 prüft die Wirksamkeit im Betrieb: Gespräche auf allen Ebenen, Stichproben an konkreten Vorgängen, Beobachtung vor Ort.

Nach Abschluss offener Abweichungen entscheidet eine vom Auditor unabhängige Stelle innerhalb der Zertifizierungsstelle über die Erteilung.

Womit das Stufe-2-Audit beginnt

Der Auditor steigt fast immer über dieselben drei Punkte ein: den Geltungsbereich, das interne Audit und die Managementbewertung. Erst danach geht er in die Prozesse. Der Grund ist einfach — diese drei zeigen, ob das System gesteuert wird oder nur beschrieben ist. Läuft eines davon ins Leere, ändert sich der Charakter des Audits: Aus der Stichprobenprüfung wird eine Suche nach systematischen Lücken, und der Zeitplan des Tages hält nicht mehr.

Ebenfalls früh geprüft wird, ob die im Stufe-1-Bericht genannten offenen Punkte erledigt sind. Sie sind keine formalen Abweichungen, werden aber lückenlos nachgehalten.

Was sie von den späteren Audits unterscheidet

AuditUmfangBesonderheit
Erstzertifizierunggesamtes System, alle Normkapitelzweistufig; Stufe 1 ist eine Bereitschaftsprüfung ohne Abweichungen
ÜberwachungsauditAusschnitt, jährlichPflichtthemen wie internes Audit, Managementbewertung, Beschwerden, Zeichennutzung
Rezertifizierunggesamtes Systemeinstufig, muss vor Ablauf des Zertifikats abgeschlossen sein

Praktisch bedeutet das: Nach der Erstzertifizierung wird nie wieder alles auf einmal geprüft — bis zur Rezertifizierung drei Jahre später. Wer den Zyklus danach schleifen lässt, merkt das erst dort, und dann geballt.

Die häufigsten Stolpersteine

Das interne Audit ist unvollständig. Es fehlen Prozesse oder Normkapitel — meist die unbequemen wie Managementbewertung, Dokumentenlenkung oder Lieferantensteuerung.

Die Managementbewertung fehlt oder ist zu dünn. Ohne die vorgeschriebenen Eingaben ist sie unvollständig, und ohne dokumentierte Entscheidungen erfüllt sie ihren Zweck nicht.

Dokumentation und Praxis weichen ab. Die Prozessbeschreibung stammt aus einer Vorlage, die Arbeit läuft anders. Das zeigt sich im ersten Gespräch am Arbeitsplatz.

Der Geltungsbereich wird erst mit dem Angebot festgelegt. Er bestimmt, welche Prozesse aufgebaut, dokumentiert und geprüft werden müssen. Eine Korrektur nach dem Stufe-1-Audit wirft das Projekt zurück.

Die Frist bis zur Behebung wird unterschätzt. Für Hauptabweichungen setzen Zertifizierungsstellen kurze Fristen und verlangen Wirksamkeitsnachweise, nicht nur Absichtserklärungen. Wer den Termin knapp vor einer Ausschreibung legt, hat keinen Puffer für ein Nachaudit.

Häufige Fragen

Wie lange muss das System vor der Erstzertifizierung laufen?

Mindestens drei Monate sind die übliche Untergrenze, damit Aufzeichnungen, ein vollständiger interner Auditzyklus und eine Managementbewertung vorliegen. Bei IATF 16949 werden zwölf Monate Nachweise verlangt. Entscheidend ist nicht die Dauer selbst, sondern dass aus dem Betrieb echte Aufzeichnungen vorliegen — ein System, das erst kurz vor dem Termin eingeschaltet wurde, liefert keine.

Kann man die Erstzertifizierung wiederholen, wenn sie scheitert?

Ein förmliches Scheitern gibt es nicht. Bleiben Hauptabweichungen offen, wird kein Zertifikat erteilt; nach Behebung und Nachweis — oft mit Nachaudit — wird das Verfahren fortgesetzt. Ein völlig neuer Anlauf ist nur nötig, wenn das Verfahren abgebrochen wurde. Die Zeit bis zum Zertifikat verlängert sich dadurch, das Verfahren beginnt aber nicht von vorn.

Wie lange dauert das Verfahren selbst?

Rechnen Sie mit mehreren Monaten allein für das Verfahren: Angebotsphase, Vertragsschluss, Stufe-1-Audit, der Abstand bis Stufe 2 und die Bearbeitung offener Abweichungen. Danach folgt die Zertifikatsentscheidung durch eine unabhängige Stelle in der Zertifizierungsstelle. Der Aufbau des Systems davor dauert in der Regel deutlich länger als das Verfahren.

Wonach richtet sich die Zahl der Audittage?

Nach der Zahl der Beschäftigten, der Komplexität der Prozesse und dem Umfang des Geltungsbereichs. Die Berechnung folgt dem Regelwerk IAF MD 5 und ist nicht frei verhandelbar. Reduktionen sind nur innerhalb enger Grenzen möglich, etwa bei stark wiederholenden Tätigkeiten oder mehreren Standorten mit gleichen Prozessen.

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