OHSAS 18001

OHSAS 18001 — zurückgezogen

OHSAS 18001 war jahrelang der verbreitetste Standard für Arbeitsschutzmanagement — und ist es heute nicht mehr. Der Standard wurde zurückgezogen, alle darauf ausgestellten Zertifikate haben ihre Gültigkeit verloren, und Ersatz gibt es nur über ISO 45001.

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Sicherheitsbegehung in einer Werkhalle mit Schutzausrüstung

OHSAS 18001 war ein Standard für Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsysteme. Er beschrieb, wie ein Betrieb Gefährdungen ermittelt, Maßnahmen festlegt, Rechtsvorschriften einhält, Vorfälle untersucht und das Ganze regelmäßig überprüft.

Das Wichtigste zuerst, weil es die einzige Antwort ist, die zählt: Es gibt für OHSAS 18001 kein Zertifikat mehr. Der Standard wurde zurückgezogen, die Umstellungsfrist ist seit dem 30. September 2021 abgelaufen, und alle darauf ausgestellten Zertifikate sind seither ungültig — unabhängig davon, welches Ablaufdatum aufgedruckt ist. Wer heute einen Nachweis über Arbeitsschutzmanagement braucht, braucht ISO 45001.

Verbreitet ist noch ein zweiter Irrtum. OHSAS 18001 war keine ISO-Norm. Entwickelt wurde der Standard von einem Konsortium aus Zertifizierungsstellen und Normungsgremien unter britischer Federführung, weil sich die Internationale Organisation für Normung lange nicht auf eine Arbeitsschutznorm einigen konnte. Erst 2018 kam ISO 45001 — und damit fiel die Grundlage für den Übergangsstandard weg.

Warum der Standard so verbreitet war, erklärt seine Entstehung. Vor 2018 gab es keine internationale Arbeitsschutznorm, wohl aber die Erwartung großer Auftraggeber, Arbeitsschutz genauso nachzuweisen wie Qualität und Umwelt. OHSAS 18001 füllte diese Lücke und passte bewusst in die Struktur der damaligen ISO 14001, damit sich beide Systeme gemeinsam führen und gemeinsam auditieren ließen. Genau diese Anschlussfähigkeit machte ihn im Mittelstand populär — und sie ist auch der Grund, warum die Umstellung auf ISO 45001 für die meisten Betriebe keine Grundsatzentscheidung war, sondern eine Terminfrage.

Diese Seite bleibt trotzdem stehen, weil der Begriff weiterhin gesucht wird: in Lieferantenfragebögen, in Ausschreibungsunterlagen, in alten Präqualifizierungen und in Betrieben, in deren Empfangsbereich noch eine Urkunde hängt.

Was der Standard verlangt hat

Der Aufbau folgte der Systematik der damaligen ISO 14001 und war in sechs Hauptabschnitte gegliedert. Wer heute ein Altsystem umstellt, findet in dieser Übersicht wieder, wo die vorhandenen Unterlagen künftig hingehören.

AbschnittInhaltWohin es in ISO 45001 wandert
Allgemeine AnforderungenFestlegung und Aufrechterhaltung des SystemsKapitel 4, ergänzt um Kontext und interessierte Parteien
ArbeitsschutzpolitikVerpflichtung der Leitung, Rahmen für ZieleKapitel 5, deutlich stärker an die oberste Leitung gebunden
PlanungGefährdungsermittlung und Risikobeurteilung, rechtliche Anforderungen, Ziele und ProgrammeKapitel 6, erweitert um Chancen und um Risiken des Managementsystems selbst
Verwirklichung und BetriebRessourcen und Verantwortlichkeiten, Schulung, Kommunikation und Beteiligung, Dokumentenlenkung, Ablauflenkung, NotfallvorsorgeKapitel 7 und 8, mit neuen Anforderungen zu Beschaffung, Fremdfirmen und Auslagerung
ÜberprüfungLeistungsmessung, Bewertung der Rechtskonformität, Untersuchung von Vorfällen, Aufzeichnungen, internes AuditKapitel 9, weitgehend unverändert in der Sache
ManagementbewertungBewertung durch die LeitungKapitel 9.3, mit erweiterten Eingaben

Inhaltlich war der Standard solide. Die Gefährdungsermittlung, die Rangfolge der Schutzmaßnahmen, die Untersuchung von Vorfällen und die Bewertung der Rechtskonformität finden sich in ISO 45001 nahezu unverändert wieder. Was fehlte, war die Anbindung an das Unternehmen als Ganzes: Der Standard betrachtete den Arbeitsschutz als abgegrenztes Thema mit eigenem Beauftragten, nicht als Führungsaufgabe.

Warum es dafür kein Zertifikat mehr gibt

Als ISO 45001 im März 2018 erschien, war klar, dass zwei konkurrierende Standards für dieselbe Sache keinen Bestand haben. Das internationale Akkreditierungsforum legte eine dreijährige Übergangsfrist fest. Sie endete regulär im März 2021 und wurde wegen der Pandemie um sechs Monate verlängert.

Seit dem 30. September 2021 gilt: Akkreditierte Zertifizierungsstellen dürfen keine OHSAS-Zertifikate mehr ausstellen oder aufrechterhalten. Der Standard selbst wurde von der herausgebenden Organisation zurückgezogen und ist damit auch als Referenz in Verträgen und Ausschreibungen nicht mehr belastbar.

Praktisch heißt das dreierlei. Ein altes Zertifikat ist kein Nachweis mehr, auch nicht in abgeschwächter Form. Eine Verlängerung ist nicht möglich, es gibt nur die Neuzertifizierung nach ISO 45001. Und Angebote, die heute noch eine OHSAS-Zertifizierung versprechen, stammen von Anbietern ohne Akkreditierung für diesen Zweck — was dabei entsteht, ist ein Dokument ohne Anerkennung. Der Unterschied zwischen einer zertifizierbaren Norm und einem beliebigen Prüfsiegel wird an solchen Angeboten besonders deutlich.

Eine Frage taucht in diesem Zusammenhang regelmäßig auf: Was passiert mit der Historie? Sie geht nicht verloren. Auditberichte, Unfallstatistiken, Unterweisungsnachweise und Korrekturmaßnahmen aus der OHSAS-Zeit bleiben verwendbar und sind im Erstzertifizierungsaudit nach ISO 45001 ausdrücklich willkommen — sie belegen, dass das System nicht bei null anfängt. Ungültig ist das Zertifikat, nicht die geleistete Arbeit.

Was Sie stattdessen nachweisen können

ISO 45001 ist der direkte Nachfolger und in Lieferantenprüfungen der erwartete Nachweis. Der Ablauf einer Zertifizierung unterscheidet sich nicht von anderen Managementsystemnormen. Für Betriebe mit einem gepflegten Altsystem ist es eine Umstellung, kein Neuaufbau: Gefährdungsbeurteilungen, Rechtskataster, Unterweisungsnachweise, Vorfalluntersuchungen und Auditberichte bleiben verwendbar.

Branchen- und trägerspezifische Verfahren sind eine Alternative, wenn kein international lesbares Zertifikat gefordert ist. In Deutschland verbreitet sind die Begutachtungsverfahren der Berufsgenossenschaften, die auf dem Nationalen Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme aufsetzen, sowie branchennahe Systeme für das Bauhauptgewerbe. Sie sind auf kleinere Betriebe zugeschnitten und in der Regel deutlich schlanker als eine ISO-Zertifizierung. Ihr Nachteil: Außerhalb der jeweiligen Branche und außerhalb Deutschlands kennt sie kaum jemand.

Ob eines dieser Verfahren ausreicht, entscheidet nicht die eigene Einschätzung, sondern die Anforderung des Auftraggebers. Prüfen Sie deshalb vor der Entscheidung, was in den Rahmenverträgen und Präqualifizierungsunterlagen tatsächlich gefordert ist — häufig steht dort eine ISO-Norm, und ein trägerspezifisches Verfahren wird als Ersatz nicht akzeptiert.

Kontraktoren-Verfahren wie das Sicherheitszertifikat für Auftragnehmer sind in der chemischen Industrie, im Anlagenbau und bei Instandhaltungsdienstleistern üblich. Wer überwiegend auf fremden Werksgeländen arbeitet, wird danach gefragt — oft zusätzlich zu ISO 45001, nicht anstelle.

Die gesetzliche Grundlage gilt unabhängig von allem Genannten. Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung, arbeitsmedizinische Vorsorge, Bestellung von Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt, Dokumentation: Diese Pflichten treffen jeden Arbeitgeber. Sie sind kein Zertifikat, aber sie sind das, wonach die Aufsichtsbehörde und die Berufsgenossenschaft im Ernstfall fragen. Ein Managementsystem ordnet diese Pflichten, es ersetzt sie nicht — und ein fehlendes Zertifikat ist kein Rechtsverstoß, eine fehlende Gefährdungsbeurteilung sehr wohl.

Woran die Umstellung in der Praxis scheitert

Die Beteiligung der Beschäftigten bleibt formal. ISO 45001 verlangt Konsultation und Beteiligung ausdrücklich auch für Beschäftigte ohne Führungsverantwortung — und sie muss belegbar sein. In vielen Umstellungsprojekten wird der Betriebsrat einmal informiert, und das war es. Der Auditor fragt dagegen die Beschäftigten an der Maschine, ob sie bei der Gefährdungsbeurteilung ihres Arbeitsplatzes einbezogen wurden.

Der Arbeitsschutz bleibt beim Beauftragten. Unter OHSAS gab es die Rolle eines Beauftragten, der das System verantwortete. ISO 45001 kennt sie nicht mehr und adressiert stattdessen die oberste Leitung. Wenn im Audit die Geschäftsführung zum Arbeitsschutz an die Sicherheitsfachkraft verweist, ist das die Feststellung — nicht die inhaltliche Arbeit, die meist stimmt.

Kontext und interessierte Parteien fehlen. Diese Kapitel gab es in OHSAS nicht. Sie werden häufig als Formalie abgehakt, obwohl sie im Arbeitsschutz konkret zu füllen sind: Aufsichtsbehörde, Unfallversicherungsträger, Betriebsrat, Zeitarbeitsfirmen, Fremdfirmen auf dem Gelände, Nachbarschaft.

Fremdfirmen und Beschaffung sind nicht abgedeckt. ISO 45001 verlangt ausdrücklich, Auslagerungen, Beschaffung und Auftragnehmer in die Steuerung einzubeziehen. Genau dort passieren die Unfälle, die keiner Statistik zugeordnet werden — weil die Verletzten nicht auf der eigenen Lohnliste stehen.

Die Gefährdungsbeurteilung hängt neben dem System. Sie existiert nach den gesetzlichen Vorgaben, ist aber nicht mit der Risikobetrachtung des Managementsystems verbunden. Damit gibt es zwei Risikowelten, die unterschiedliche Ergebnisse produzieren.

Chancen werden übersehen. Kapitel 6 verlangt neben Risiken auch Chancen zur Verbesserung des Arbeitsschutzes — ergonomische Umgestaltung, Automatisierung einer belastenden Tätigkeit, bessere Schichtplanung. In Altsystemen fehlt diese Perspektive vollständig, weil OHSAS sie nicht kannte.

Interne Auditoren wurden nicht nachgeschult. Sie auditieren weiter nach der alten Gliederung und prüfen Kapitel, die es nicht mehr gibt, während Kontext, Beteiligung und Beschaffung durchs Raster fallen. Ein Auditprogramm, das die neuen Kapitel nie abdeckt, fällt spätestens im ersten Überwachungsaudit auf.

Die Umstellung wurde zu spät begonnen. Der häufigste organisatorische Fehler in der Übergangszeit war die Annahme, ein Umstellungsaudit ließe sich kurzfristig terminieren. Zertifizierungsstellen hatten gegen Ende der Frist keine freien Kapazitäten mehr, und wer den Termin verpasste, verlor den Zertifikatsstatus vollständig und musste ein Erstzertifizierungsverfahren durchlaufen — mit Stufe-1-Audit und ohne Anrechnung des Altzertifikats.

Das Altzertifikat wird weiterverwendet. Der praktisch teuerste Fehler: Ein abgelaufenes OHSAS-Zertifikat wandert weiter in Angebotsunterlagen und Präqualifizierungen. Fällt das auf, steht nicht nur der Nachweis in Frage, sondern die Zuverlässigkeit des Anbieters insgesamt.

Abgrenzung: was heute gilt

Standard oder VerfahrenStatusErgebnisReichweite
OHSAS 18001zurückgezogenkein gültiges Zertifikat mehrentfällt
ISO 45001gültige internationale NormZertifikat, drei Jahre mit Überwachungsauditsinternational anerkannt
Nationaler Leitfaden für ArbeitsschutzmanagementsystemegültigBegutachtung durch UnfallversicherungsträgerDeutschland, oft kleinere Betriebe
Kontraktoren-SicherheitszertifikatgültigZertifikat für AuftragnehmerChemie, Anlagenbau, Instandhaltung
Arbeitsschutzgesetz und Unfallverhütungsvorschriftengeltendes Rechtkein Zertifikat, sondern Pflichtalle Arbeitgeber
ISO 9001 und ISO 14001gültige NormenZertifikatgemeinsamer Rahmen, gemeinsame Audits mit ISO 45001

Die praktische Konsequenz für Betriebe mit Altsystem: Der Weg führt über ISO 45001, und der Aufwand liegt nicht dort, wo er erwartet wird. Die technischen Inhalte des Arbeitsschutzes bleiben weitgehend bestehen. Neu ist die Verankerung in der Führung und die belegbare Einbindung der Beschäftigten — beides Themen, die sich nicht durch ein zusätzliches Dokument lösen lassen, sondern durch geänderte Abläufe. Wer die Umstellung als reine Dokumentenübung anlegt, besteht das Zertifizierungsaudit im ersten Anlauf meist nicht.

Häufige Fragen zu OHSAS 18001

Kann man sich noch nach OHSAS 18001 zertifizieren lassen?

Nein. Der Standard wurde zurückgezogen, akkreditierte Zertifizierungsstellen stellen keine Zertifikate mehr darauf aus, und die bereits ausgestellten sind seit dem Ende der Umstellungsfrist ungültig. Anbieter, die heute noch eine OHSAS-Zertifizierung anbieten, arbeiten außerhalb jeder Akkreditierung — das entstehende Papier hat in Lieferantenprüfungen keinen Wert.

Wann genau ist die Gültigkeit ausgelaufen?

ISO 45001 erschien im März 2018, die Umstellungsfrist betrug drei Jahre und endete damit im März 2021. Wegen der Pandemie wurde sie um sechs Monate verlängert. Seit dem 30. September 2021 sind OHSAS-18001-Zertifikate unabhängig vom aufgedruckten Ablaufdatum ungültig.

War OHSAS 18001 überhaupt eine ISO-Norm?

Nein, und das ist ein verbreiteter Irrtum. OHSAS 18001 wurde von einem Konsortium unter Federführung der britischen Normungsorganisation entwickelt, nicht von der Internationalen Organisation für Normung. Erst ISO 45001 hat den Arbeitsschutz in das ISO-Regelwerk überführt — mit der Struktur, die auch ISO 9001 und ISO 14001 verwenden.

Was antwortet man auf einen Fragebogen, der noch OHSAS 18001 abfragt?

Sachlich richtigstellen und den gültigen Nachweis nennen. Solche Fragebögen sind in Umlauf, weil sie seit Jahren nicht überarbeitet wurden. Ein Verweis auf das ISO-45001-Zertifikat mit dem Hinweis, dass OHSAS 18001 zurückgezogen wurde, wird in aller Regel akzeptiert. Wer stattdessen ein altes Zertifikat mitschickt, riskiert eine Rückfrage oder den Ausschluss.

Muss ein Betrieb überhaupt ein Arbeitsschutzmanagementsystem haben?

Ein zertifiziertes System ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Die Pflichten aus dem Arbeitsschutzgesetz gelten dagegen für jeden Arbeitgeber, allen voran die Gefährdungsbeurteilung und ihre Dokumentation. Ein Managementsystem ist ein Weg, diese Pflichten geordnet zu erfüllen und nachzuweisen — nicht ihre Voraussetzung und auch nicht ihr Ersatz.

Wie aufwendig ist die Umstellung auf ISO 45001?

Für Betriebe mit gelebtem OHSAS-System weniger, als der Umfang der Änderungen vermuten lässt. Gefährdungsbeurteilung, Rechtskataster, Notfallvorsorge, Untersuchung von Vorfällen und interne Audits bleiben in der Sache erhalten. Neu aufzubauen sind vor allem Kontext und interessierte Parteien, die verstärkte Rolle der obersten Leitung und die nachweisbare Beteiligung der Beschäftigten.

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