Das Auditvolumen ist die Zeit, die eine Zertifizierungsstelle für ein Audit ansetzt, gemessen in Auditortagen. Es ist die Größe, aus der sich der überwiegende Teil des Aufwands ergibt — und es ist keine freie Entscheidung der Stelle.
Die Rechenlogik
Am Anfang steht die Zahl der effektiven Mitarbeiter im Geltungsbereich. Die Akkreditierungsregeln der IAF geben dafür Tabellen vor, aus denen sich eine Grundzeit für die Erstzertifizierung ergibt. Diese Tabellen gelten für alle akkreditierten Stellen gleichermaßen.
Darauf wirken Zu- und Abschläge:
- Komplexität der Prozesse — ein Konstruktionsbetrieb mit Entwicklung, Fertigung und Montage braucht mehr Zeit als ein Handelsbetrieb gleicher Größe.
- Risiko der Tätigkeit — bei ISO 45001 und ISO 14001 hängt die Zeit spürbar an der Gefährdungslage.
- Standorte — mehrere Standorte erhöhen die Zeit; bei vielen gleichartigen Standorten greift eine Stichprobenregel statt einer Vollprüfung.
- Integriertes System — werden zwei oder drei Normen gemeinsam auditiert, sinkt der Gesamtaufwand gegenüber getrennten Audits, weil Kernprozesse nur einmal geprüft werden.
- Reife und Vorwissen — ein etabliertes System kann eine Reduktion rechtfertigen, ein neu aufgebautes nicht.
Bei vielen gleichartigen Standorten greift zusätzlich eine Stichprobenregel: Geprüft wird nicht jeder Standort in jedem Jahr, sondern eine Auswahl, deren Umfang sich aus der Gesamtzahl ableitet. Die zentrale Steuerung ist in jedem Durchgang dabei. Voraussetzung ist ein tatsächlich zentral geführtes System — Standorte mit eigenständigen Prozessen und eigener Leitung erfüllen sie nicht und werden einzeln auditiert.
Reduktionen sind nach oben begrenzt und müssen begründet und dokumentiert werden. Eine Zertifizierungsstelle, die deutlich unter der Tabelle anbietet, riskiert bei ihrer eigenen Überwachung eine Beanstandung.
Was über den Zyklus daraus folgt
| Audit | Anteil am Erstaudit |
|---|---|
| Zertifizierungsaudit Stufe 1 und 2 | 100 Prozent |
| Überwachungsaudit, jährlich | etwa ein Drittel |
| Rezertifizierung | etwa zwei Drittel |
Über drei Jahre summiert sich der Aufwand damit auf etwa das Doppelte des Erstaudits. Wer nur die Erstzertifizierung kalkuliert, plant die Hälfte der Zeit ein.
Der teuerste Trick funktioniert nicht
Ein wiederkehrendes Muster: Die Mitarbeiterzahl wird knapp angegeben, um das Angebot zu drücken. Teilzeitkräfte werden weggelassen, Leiharbeit vergessen, ein Standort „gehört ja zu einer anderen Gesellschaft”.
Das fällt im Audit auf, spätestens beim Blick in Anwesenheitslisten, Unterweisungsnachweise oder die Prozesslandkarte. Die Folge ist keine Verwarnung, sondern eine Neuberechnung — und die zusätzlichen Auditortage sind kurzfristig zu finanzieren und terminlich schwer unterzubringen. Kommt heraus, dass Tätigkeiten außerhalb des angegebenen Geltungsbereichs betrieben werden, steht zusätzlich dessen Anpassung im Raum.
Änderungen an Mitarbeiterzahl, Standorten und Prozessen sind während des gesamten Zyklus meldepflichtig. Das ist keine Höflichkeit, sondern Vertragsbestandteil — und die Grundlage dafür, dass das Auditvolumen zum Unternehmen passt und nicht zu dessen Zustand vor drei Jahren.
