Methode und Werkzeug

Prozessmanagement

Prozessmanagement ist die dauerhafte Aufgabe, Prozesse zu bestimmen, zu beschreiben, zu messen und auf Grundlage der Messung zu verändern.

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Ablaufplan eines Prozesses mit Verantwortlichkeiten an einer Wand

Prozessmanagement ist die dauerhafte Steuerung von Prozessen: sie bestimmen, beschreiben, mit Messgrößen versehen, bewerten und ändern. Es ist eine Führungsaufgabe und keine Dokumentationsaufgabe. Keine Managementsystemnorm schreibt vor, mit welcher Methode sie erledigt wird — verlangt wird nur das Ergebnis.

Der Kreislauf entscheidet, nicht die Beschreibung

Vier Schritte gehören zusammen:

  1. Bestimmen. Welche Prozesse braucht die Organisation, wo beginnen und enden sie, wer empfängt das Ergebnis.
  2. Beschreiben. In einer Tiefe, die jemand ohne Vorwissen anwenden kann. Der Leitfaden zum Beschreiben von Prozessen zeigt, wo die Grenze zwischen Regelung und Roman verläuft.
  3. Messen. Eine Kennzahl je Prozess, die die Leistung für den Empfänger abbildet — Durchlaufzeit, Termintreue, Fehlerrate, Nacharbeitsquote.
  4. Ändern. Auf Grundlage der Messung, mit Termin und Verantwortlichem.

Der vierte Schritt trennt Prozessmanagement von Prozessdokumentation. Wer beschreibt und misst, aber nie ändert, führt eine Chronik. Im Audit fällt das an einer Frage auf: Wann wurde dieser Prozess zuletzt geändert, und was war der Anlass?

Abgrenzung zu drei benachbarten Begriffen

BegriffGegenstandArt
QualitätsmanagementDie Erfüllung von Anforderungen an ErgebnisseThema
ProzessmanagementDie Prozesse selbst, unabhängig vom ThemaMethode
Prozessorientierter AnsatzDie Sichtweise, die die Norm verlangtAnforderung
ProzesslandkarteDie Übersicht über alle ProzesseDokument

Die erste Zeile ist die häufigste Verwechslung. Qualitätsmanagement ist thematisch bestimmt, Prozessmanagement methodisch: Dieselbe Technik trägt Umwelt-, Energie- oder Informationssicherheitsprozesse. Dass beides oft in einer Hand liegt, macht es nicht zum selben Gegenstand.

Die letzte Zeile ist die folgenreichste. Eine Prozesslandkarte ist ein Bild vom System, kein Betrieb des Systems. Sie lässt sich an einem Nachmittag zeichnen — Prozessmanagement beginnt danach.

Warum keine Norm eine Methode vorschreibt

Managementsystemnormen sind branchen-, größen- und technologieneutral formuliert. Eine Vorgabe wie „Modellieren Sie in BPMN” würde einen Handwerksbetrieb mit acht Beschäftigten und einen Konzern gleich behandeln. Verlangt wird deshalb nur, dass die Festlegungen je Prozess vorhanden sind: Eingaben, Ergebnisse, Abfolge, Steuerungskriterien, Ressourcen, Verantwortlichkeiten, Risiken, Verbesserungsmöglichkeiten.

Das hat eine praktische Folge. Fordert ein Auditor eine bestimmte Notation, eine bestimmte Software oder eine bestimmte Kennzahlensystematik, ist das Beratung und keine Feststellung. Dem lässt sich sachlich widersprechen, indem Sie fragen, gegen welche Anforderung der Sachverhalt verstößt.

Woran es in der Praxis scheitert

Die Notation wird wichtiger als der Nutzen. Sauber modellierte Diagramme, die niemand in der Fertigung öffnet, sind Aufwand ohne Wirkung.

Prozesse haben keinen Eigner. Ohne benannten Prozesseigner gibt es niemanden, der eine Änderung entscheiden darf. Der Prozess bleibt, wie er ist, bis der nächste Auditor kommt.

Der Katalog wächst, statt zu leben. Jede Sonderregel wird zu einem eigenen Prozess. Nach drei Jahren stehen sechzig Einträge in der Liste, von denen zwanzig nicht mehr angewendet werden.

Messung ohne Termin. Eine Kennzahl ohne festen Bewertungsrhythmus wird nicht gelesen. Der Rhythmus gehört in die Prozessbeschreibung, nicht in die Absicht der Beteiligten — sonst bleibt vom kontinuierlichen Verbesserungsprozess nur das Wort übrig.

Häufige Fragen

Ist Prozessmanagement dasselbe wie Qualitätsmanagement?

Nein. Qualitätsmanagement ist thematisch bestimmt: Es sorgt dafür, dass Ergebnisse die Anforderungen erfüllen. Prozessmanagement ist methodisch bestimmt und auf jedes Thema anwendbar — dieselbe Technik trägt Umwelt-, Energie- und Informationssicherheitsprozesse. In vielen Unternehmen sitzen beide Aufgaben bei derselben Person, das macht sie aber nicht zum selben Gegenstand.

Schreibt ISO 9001 eine bestimmte Prozessmanagement-Methode vor?

Nein. Die Norm verlangt Festlegungen je Prozess: Eingaben, Ergebnisse, Abfolge, Steuerungskriterien, Ressourcen, Verantwortlichkeiten, Risiken und Verbesserungsmöglichkeiten. Wie Sie diese Festlegungen erzeugen und darstellen, bleibt offen. BPMN, Turtle, Tabelle oder Flussdiagramm sind gleichwertig, solange die geforderten Angaben vorliegen und stimmen.

Braucht Prozessmanagement eine eigene Software?

Nicht zwingend. Der Nutzen einer Prozessmanagement-Software liegt in Versionsführung, Verknüpfung von Dokumenten und Auswertbarkeit — nicht in der Modellierung selbst. Für zehn bis fünfzehn Prozesse reichen strukturierte Dokumente mit geregelter Freigabe. Software ersetzt keinen Prozesseigner und keinen Bewertungstermin.

Wer verantwortet Prozessmanagement im Unternehmen?

Die Führungsebene, nicht die Qualitätsabteilung. Ein Prozess wird von der Person gesteuert, die über seine Ressourcen und seine Regeln entscheiden kann. Die Qualitätsfunktion moderiert, hält die Methode zusammen und pflegt die Dokumentation. Wo sie zusätzlich alle Prozesse besitzt, entsteht ein System ohne Rückhalt in der Linie.

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