Methode und Werkzeug

Wechselwirkung von Prozessen

Die Wechselwirkung von Prozessen ist die festgelegte Übergabe zwischen ihnen — welches Ergebnis weitergereicht wird und welche Anforderungen dabei gelten.

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Pinnwand mit Karten zu Prozessschritten und Übergaben

Die Wechselwirkung ist das, was zwischen zwei Prozessen vereinbart ist: welches Ergebnis übergeben wird, in welcher Form, zu welchem Zeitpunkt und mit welchem Vollständigkeitskriterium. Die Norm verlangt neben der Bestimmung der Prozesse ausdrücklich die Festlegung von Abfolge und Wechselwirkung — und meint damit mehr als ein Schaubild.

Der Pfeil ist nicht die Schnittstelle

In den meisten Prozesslandkarten verbindet ein Pfeil den Vertrieb mit der Arbeitsvorbereitung. Er sagt: Hier geht etwas hinüber. Er sagt nicht, was hinübergeht.

Die eigentliche Festlegung sieht anders aus. Übergeben wird der freigegebene Auftrag. Er gilt als vollständig, wenn Zeichnungsstand, Menge, Liefertermin, Sonderanforderungen und Prüfumfang eingetragen sind. Übergeben wird im ERP, nicht per Mail. Ist etwas offen, geht der Auftrag zurück, statt in die Planung zu laufen.

Erst mit diesen Angaben wird aus einer Beziehung eine Regel, die man einhalten oder verletzen kann.

Warum Fehler an den Übergängen entstehen

Innerhalb eines Bereichs gibt es Routine, gemeinsames Vokabular und schnelle Rückfragen. An der Grenze zwischen zwei Bereichen fehlen alle drei. Der Vertrieb hält eine Anfrage für geklärt, die Arbeitsvorbereitung nicht. Die Konstruktion ändert eine Zeichnung, der Einkauf bestellt nach dem alten Stand. Jeder Prozess arbeitet für sich korrekt, das Ergebnis stimmt trotzdem nicht.

Solche Fälle sind der Grund, warum Auditoren gern an der Schnittstelle prüfen. Die Frage lautet nicht: Wie läuft Ihr Prozess? Sondern: Was bekommen Sie von der Vorstufe, und was fehlt regelmäßig? Die Antwort der empfangenden Seite weicht fast immer von der Selbstauskunft der abgebenden Seite ab. Genau diese Differenz ist die interessanteste Erkenntnis eines internen Audits.

Die zweite Fehlerquelle ist der Medienbruch. Wo eine Übergabe von einem System in ein anderes wechselt — vom ERP in eine Tabelle, vom Ticket in eine Mail, vom Laufzettel in die Datenbank —, geht regelmäßig Information verloren und mit ihr der Nachweis. Diese Stellen sind zugleich die, an denen eine Auditspur abreißt.

Ein brauchbares Vorgehen

Nehmen Sie die drei bis fünf Übergaben, an denen es erfahrungsgemäß hakt. Setzen Sie beide Seiten an einen Tisch und lassen Sie die empfangende Seite formulieren, was sie braucht. Halten Sie das Ergebnis in einer Zeile je Schnittstelle fest. Prüfen Sie nach drei Monaten, ob sich die Zahl der Rückfragen verändert hat.

Das ist wirksamer als jede zusätzliche Verfahrensanweisung, weil es die Anforderung dort festlegt, wo sie entsteht — beim Empfänger.

Woran es scheitert

An der Reihenfolge. Viele Organisationen beschreiben zuerst die einzelnen Prozesse vollständig und die Schnittstellen zum Schluss. Dann sind die Zuständigkeiten schon verteilt, und jede Übergabe wird zur Verhandlung. Umgekehrt funktioniert es besser: erst die Übergabepunkte klären, dann die Prozesse dazwischen ausformulieren. Der prozessorientierte Ansatz meint genau diese Blickrichtung.

Häufige Fragen

Reicht eine Prozesslandkarte mit Pfeilen aus?

Als Übersicht ja, als Festlegung nein. Der Pfeil zeigt, dass eine Verbindung besteht, aber nicht, was übergeben wird und welche Anforderungen dabei gelten. Auditoren fragen genau an dieser Stelle weiter. Eine einfache Tabelle mit Ergebnis, Empfänger, Format und Zeitpunkt schließt die Lücke ohne großen Aufwand.

Wie beschreibt man eine Schnittstelle konkret?

Über vier Angaben: Was wird übergeben, in welcher Form, zu welchem Zeitpunkt, und woran erkennt der Empfänger, dass die Übergabe vollständig ist. Das letzte Element ist entscheidend, weil es aus einer Beschreibung ein prüfbares Kriterium macht — etwa eine Auftragsfreigabe erst bei geklärter Zeichnung und bestätigtem Termin.

Gilt das auch für ausgelagerte Prozesse?

Ja, dort besonders. Bei einem externen Dienstleister ist die Schnittstelle die einzige Stelle, an der Sie steuern können. Festzulegen sind die Anforderungen an das Ergebnis, die Art der Überwachung und die Regelung für Abweichungen. Die Verantwortung für die Konformität bleibt bei Ihnen, unabhängig vom Vertrag.

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