Methode und Werkzeug

Lieferantenbewertung

Die Lieferantenbewertung ist die regelmäßige Beurteilung externer Anbieter anhand vorher festgelegter Kriterien, aus der eine Entscheidung über die weitere Zusammenarbeit folgt.

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Gekennzeichnete Ware im Lager nach der Wareneingangsprüfung

Die Lieferantenbewertung beantwortet, ob ein externer Anbieter weiter beauftragt wird, unter welchen Bedingungen und mit welchem Prüfaufwand im Wareneingang. Sie ist eine Entscheidungsgrundlage, keine Note für die Akte.

Was die Norm verlangt

ISO 9001 behandelt das Thema in Kapitel 8.4. Sie müssen Kriterien für die Beurteilung, die Auswahl, die Überwachung der Leistung und die Neubewertung externer Anbieter festlegen und anwenden. Über die Ergebnisse und über daraus erforderliche Maßnahmen sind Nachweise aufzubewahren. Welche Kriterien das sind und wie Sie gewichten, entscheiden Sie selbst.

Der entscheidende Satz steckt an anderer Stelle: Der Umfang der Steuerung richtet sich danach, wie stark der zugekaufte Anteil die Konformität Ihres Produkts beeinflusst. Damit ist die risikobasierte Abstufung nicht nur erlaubt, sondern erwartet.

Risikobasiert einteilen statt nach Umsatz

Die verbreitete A-B-C-Einteilung nach Einkaufsvolumen führt regelmäßig in die Irre. Maßgeblich ist die Auswirkung eines Ausfalls oder eines Fehlers, nicht der Rechnungsbetrag.

Der Kalibrierdienstleister ist dafür das beste Beispiel: klein im Umsatz, hoch im Risiko. Fällt seine Leistung aus oder ist sie fehlerhaft, sind sämtliche Messergebnisse des betroffenen Zeitraums fraglich. Dasselbe gilt für Einzelquellen ohne Alternative und für Anbieter, die einen ausgelagerten Prozess übernehmen. Wer diese Fälle in der Risikobewertung mitführt, kommt zu einer anderen Einstufung als der Einkauf allein.

Kriterien brauchen eine Datenquelle

KriteriumBelastbare Quelle
QualitätBeanstandungen je Lieferung, gesperrte Lose, Nacharbeit
TerminWareneingangsdatum gegen bestätigten Termin im ERP
ZusammenarbeitReaktionszeit auf Reklamationen, Qualität der 8D-Berichte
NachweiseZertifikat gültig, Prüfzeugnisse vollständig und lesbar

Ein Kriterium ohne Systemquelle wird zur Erinnerungsleistung des Einkäufers. Damit steht am Jahresende die Bewertung, die zur letzten Verhandlung passt, nicht die, die zum Jahr passt. Für die Qualität ist die Wareneingangsprüfung die naheliegende Quelle, sofern Beanstandungen dort systematisch erfasst und nicht nur telefonisch geklärt werden.

Die Bewertung braucht mehr als eine Sicht

Der Einkauf sieht Preis, Reaktionszeit und Verfügbarkeit. Die Fertigung sieht, wie sich das Material verarbeiten lässt. Der Wareneingang sieht Kennzeichnung, Verpackung und Vollständigkeit der Zeugnisse. Wer allein den Einkauf bewerten lässt, bekommt eine Note, die den Verhandlungsverlauf abbildet. Eine kurze gemeinsame Runde einmal jährlich reicht aus und liefert regelmäßig die interessanteste Information: dass ein formal guter Lieferant im Betrieb dauerhaft Mehrarbeit verursacht, die nie als Reklamation erfasst wurde.

Woran es scheitert

Die Note hat keine Konsequenz. Ein Lieferant steht drei Jahre auf B, und es passiert nichts. Definieren Sie vorher, was aus welcher Einstufung folgt: erweiterte Wareneingangsprüfung, Entwicklungsgespräch, Lieferantenaudit, Sperrung für Neuprojekte.

Das Zertifikat wird abgelegt, das Ablaufdatum nicht überwacht. Zertifikate laufen aus, werden ausgesetzt oder entzogen. Ohne Wiedervorlage merken Sie es erst, wenn Ihr eigener Auditor danach fragt. Was eine Aussetzung des Zertifikats bedeutet, sollte im Einkauf bekannt sein.

Der Geltungsbereich wird nicht gelesen. Das Zertifikat gilt für benannte Standorte und Tätigkeiten. Liefert das Werk in einem anderen Land, ist es womöglich nicht abgedeckt. Ein Blick in den Geltungsbereich dauert eine Minute und wird fast nie gemacht.

Häufige Fragen

Müssen alle Lieferanten gleich bewertet werden?

Nein, und es wäre auch nicht sinnvoll. ISO 9001 knüpft den Umfang der Steuerung an die Auswirkung des extern bereitgestellten Produkts oder der Dienstleistung auf die Konformität Ihrer eigenen Leistung. Der Bürobedarfshändler und der Lieferant eines sicherheitsrelevanten Bauteils brauchen unterschiedliche Tiefen der Bewertung.

Reicht ein ISO-9001-Zertifikat des Lieferanten als Bewertung?

Nein. Ein Zertifikat belegt, dass ein Managementsystem in einem bestimmten Geltungsbereich auditiert wurde. Es sagt nichts über die Qualität Ihrer konkreten Teile. Prüfen Sie zusätzlich, ob der Geltungsbereich Ihren Standort und Ihren Prozess abdeckt und ob die ausstellende Stelle akkreditiert ist. Das Zertifikat ist ein Kriterium unter mehreren.

In welchem Abstand wird neu bewertet?

Die Norm nennt kein Intervall, sie verlangt Neubewertung. Jährlich ist verbreitet und praktikabel, sofern die Daten laufend anfallen. Wichtiger als der Rhythmus ist der Anlass: Ein Standortwechsel, ein Eigentümerwechsel, ein abgelaufenes Zertifikat oder eine Häufung von Beanstandungen lösen eine Bewertung unabhängig vom Kalender aus.

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