Methode und Werkzeug

Risikobewertung

Die Risikobewertung vergleicht das Ergebnis der Risikoanalyse mit festgelegten Risikokriterien und entscheidet, ob und mit welcher Priorität behandelt wird.

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Führungskräfte treffen eine Entscheidung am Besprechungstisch

Die Risikobewertung ist der Schritt, an dem aus einer Untersuchung eine Entscheidung wird. Sie nimmt das Ergebnis der Risikoanalyse, hält es gegen die vorher festgelegten Risikokriterien und beantwortet eine einzige Frage: Ist dieses Risiko so hinnehmbar, oder muss etwas geschehen?

Die Kriterien stehen vor dem Ergebnis

Das ist der Kern und zugleich die Stelle, an der die meisten Systeme brechen. Risikokriterien beschreiben, ab wann ein Risiko als nicht mehr hinnehmbar gilt — in Geldbeträgen, Ausfallstunden, Personenschäden, Terminverzügen oder Verstößen gegen bindende Verpflichtungen. Sie leiten sich aus den Zielen und dem Kontext der Organisation ab.

ISO 27001 verlangt diese Kriterien ausdrücklich und ausdrücklich vorab. In der Praxis entstehen sie oft rückwärts: Die Bewertung ergibt fünf rote Felder, die Geschäftsführung findet fünf zu viel, und die Schwelle wandert nach oben. Das Ergebnis ist ein System, das nie ein Problem meldet. Auditoren erkennen es daran, dass kein einziges Risiko oberhalb der Schwelle liegt und die Kriteriendefinition ein späteres Datum trägt als die erste Bewertung.

Was die Bewertung liefert

Das Ergebnis ist eine von wenigen Entscheidungen:

EntscheidungBedeutung
BehandelnMaßnahmen festlegen, Termin und Verantwortlichen benennen
Weiter analysierenDatenlage reicht für eine Entscheidung nicht aus
BehaltenRisiko wird bewusst getragen, dokumentiert und befristet
Tätigkeit überdenkenDas Risiko stellt Ziel oder Vorgehen selbst infrage

Die vierte Zeile fehlt in fast allen Vorlagen. Sie ist die wichtigste, weil sie den Fall abdeckt, in dem keine Maßnahme das Risiko auf ein vertretbares Maß bringt. Dann ist die richtige Antwort nicht eine weitere Maßnahme, sondern der Verzicht auf das Vorhaben.

Priorisierung ist Teil der Bewertung

Zwei Risiken mit derselben Einstufung sind nicht gleich dringlich. Reihenfolge entsteht aus zusätzlichen Fragen: Wie schnell kann das Ereignis eintreten? Wie lange dauert die Wirksamkeit einer Gegenmaßnahme? Wächst das Risiko, wenn man wartet?

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein auslaufender Wartungsvertrag und ein alterndes Fachwissen können dieselbe Einstufung tragen. Der Vertrag lässt sich in zwei Wochen verlängern, der Wissensaufbau dauert Monate. Die Risikomatrix zeigt diesen Unterschied nicht.

Woran es scheitert

Die Flucht in die Mitte. Bei ungeraden Skalen landet ein großer Teil der Einträge auf der mittleren Stufe. Damit ist nichts entschieden.

Bewertung ohne Eigentümer. Wenn niemand namentlich für ein Risiko einsteht, wird die Bewertung nicht verteidigt und nicht überprüft.

Begründung nur im Kopf. Sinnvoll sind zwei Sätze je Einstufung: warum diese Stufe und nicht die nächsthöhere. Das kostet wenig und beantwortet im Audit die Frage, die sonst langes Suchen auslöst — wie sind Sie darauf gekommen? Ohne Notiz muss die Begründung rekonstruiert werden, meist von jemandem, der bei der Bewertung nicht dabei war.

Keine Wiedervorlage. Eine Bewertung gilt für die Bedingungen des Tages, an dem sie entstand. Ändert sich der Prozess, der Lieferant oder der Geltungsbereich, ist sie zu wiederholen — nicht erst zur nächsten Managementbewertung.

Häufige Fragen

Wann müssen die Risikokriterien festgelegt werden?

Vor der Beurteilung. ISO 27001 verlangt ausdrücklich, dass Kriterien für die Risikoakzeptanz und für die Durchführung der Risikobeurteilung zuerst bestimmt und aufrechterhalten werden. Wer die Schwellen erst nach dem Ergebnis festlegt, hat die Bewertung an das gewünschte Ergebnis angepasst — ein Befund, der in Audits regelmäßig auffällt.

Ist die Risikobewertung dasselbe wie die Risikobeurteilung?

Nein, auch wenn beide Wörter oft vermischt werden. Die Beurteilung umfasst Identifikation, Analyse und Bewertung. Die Bewertung ist nur der letzte Teilschritt und liefert eine Entscheidung, keine Kennzahl. Bei Übersetzungen aus dem Englischen entsteht die Verwechslung durch assessment und evaluation.

Kann eine Bewertung zu dem Ergebnis kommen, dass nichts geschieht?

Ja. Zulässige Ergebnisse sind: behandeln, weiter analysieren, das Risiko bewusst behalten, die zugrunde liegende Tätigkeit oder das Ziel überdenken. Wichtig ist, dass die Entscheidung samt Begründung, Verantwortlichem und Datum festgehalten wird. Eine Zeile ohne Entscheidung ist keine Bewertung. Ergänzen Sie ein Datum für die erneute Prüfung, sonst gilt die Entscheidung unbefristet weiter.

Wer bewertet — die Fachabteilung oder die Leitung?

Die Fachabteilung liefert die Analyse, die Entscheidung trifft der Risikoeigentümer. Bei Risiken oberhalb einer festgelegten Schwelle gehört die Entscheidung auf die Ebene der obersten Leitung. Diese Eskalationsschwelle sollte in der Verfahrensbeschreibung stehen, sonst entscheidet faktisch derjenige, der die Tabelle pflegt.

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