Methode und Werkzeug

Führungsprozess

Ein Führungsprozess steuert die Organisation und das Managementsystem — er legt Ziele fest, bewertet Ergebnisse und entscheidet über Ressourcen.

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Geschäftsführung trifft eine Entscheidung im Besprechungsraum

Führungsprozesse erzeugen keine Leistung für den Kunden. Sie legen fest, unter welchen Bedingungen die übrigen Prozesse arbeiten: welche Ziele gelten, welche Mittel bereitstehen, welche Risiken akzeptiert werden und was aus Abweichungen folgt. In der Prozesslandkarte stehen sie üblicherweise oben, quer über den Kernprozessen.

Welche Prozesse dazugehören

In den meisten Managementsystemen sind es dieselben:

  • Strategie- und Zielplanung, einschließlich der Qualitätsziele
  • Bewertung von Risiken und Chancen
  • Ressourcen- und Investitionsentscheidungen
  • Steuerung des Auditprogramms
  • Managementbewertung
  • interne Kommunikation und Steuerung von Änderungen

Der letzte Punkt wird am häufigsten vergessen. Änderungen an der Organisation — ein neuer Standort, ein ausgelagerter Prozess, ein Systemwechsel in der Fertigung — müssen geplant und ihre Folgen für das Managementsystem betrachtet werden. Das ist eine Führungsaufgabe und keine Aufgabe der Qualitätsstelle.

Was sie von Kernprozessen unterscheidet

Ein Kernprozess wird durch einen Kundenauftrag ausgelöst und endet mit einer Leistung. Ein Führungsprozess wird durch einen Termin, eine Kennzahl oder ein Ereignis ausgelöst und endet mit einer Entscheidung. Diese Unterscheidung ist praktisch nützlich, weil sie zeigt, wie gemessen werden muss: Kernprozesse an Durchlaufzeit, Menge und Fehlerquote, Führungsprozesse an der Umsetzung ihrer eigenen Beschlüsse.

Wenn in der Managementbewertung des Vorjahres acht Maßnahmen beschlossen wurden und in diesem Jahr fünf davon offen sind, ist das die aussagekräftigste Kennzahl des gesamten Führungsbereichs — und die erste, nach der ein erfahrener Auditor fragt.

Der einzige Führungsprozess mit vorgegebenem Inhalt

Die Managementbewertung ist der Sonderfall: Für sie schreibt die Norm ausdrücklich vor, welche Eingaben zu betrachten und welche Ergebnisse festzuhalten sind. Kundenrückmeldungen, Zielerreichung, Prozessleistung, Auditergebnisse, Abweichungen, Lieferantenleistung, Ressourcenbedarf und der Stand der Maßnahmen aus der letzten Bewertung gehören dazu. Ergebnisseitig verlangt sie Entscheidungen zu Verbesserung, Änderungsbedarf und Ressourcen.

Alle anderen Führungsprozesse gestalten Sie frei. Diesen einen nicht — und genau er ist deshalb der am häufigsten beanstandete.

Woran es scheitert

An der Belegbarkeit. Führung findet in kleinen Unternehmen ständig statt, nur schriftlos. Entscheidungen fallen am Tisch, im Werk, am Telefon. Im Audit fragt der Auditor nach dem Nachweis, und dann existiert eine Führungsentscheidung, aber kein Beleg für sie.

Der zweite Punkt ist die Zuordnung. Wenn die Führungsprozesse im Handbuch dem Qualitätsbeauftragten zugeordnet sind, ist das eine Feststellung im Wartestand. Die Norm verankert die Verantwortung bei der obersten Leitung, und Auditoren prüfen das inzwischen durch direkte Gespräche mit der Geschäftsführung, nicht anhand des Organigramms.

Ein einfacher Zuschnitt

Ein Führungsprozess ist dann sinnvoll beschrieben, wenn drei Angaben stehen: Wer entscheidet, in welchem Rhythmus, auf welcher Datengrundlage. Ein Quartalstermin mit fester Tagesordnung, an dem Kennzahlen, offene Maßnahmen und Auditergebnisse durchgegangen werden, erfüllt mehr Normanforderungen auf einmal als jede zusätzliche Verfahrensanweisung.

Häufige Fragen

Fordert die Norm die Einteilung in Führungs-, Kern- und Unterstützungsprozesse?

Nein. Diese Dreiteilung ist eine verbreitete Konvention der Prozesslandkarte, keine Anforderung. Verlangt wird, dass die für das Managementsystem notwendigen Prozesse bestimmt und gesteuert werden. Die Einteilung hilft beim Sortieren und bei der Zuordnung von Verantwortung, mehr leistet sie nicht — und weniger sollte man von ihr auch nicht erwarten.

Braucht ein Führungsprozess eine Kennzahl?

Er braucht ein überprüfbares Ergebnis. Bei der Managementbewertung ist das der beschlossene Maßnahmenkatalog mit Verantwortlichen und Terminen. Bei der Zielplanung sind es messbare Ziele. Reine Aktivitätszahlen wie die Anzahl der Sitzungen sagen nichts über Wirksamkeit und werden im Audit regelmäßig als solche erkannt.

Wer verantwortet die Führungsprozesse?

Die oberste Leitung, und zwar unmittelbar. Seit der Revision von 2015 kennt die ISO 9001 keinen verpflichtenden Beauftragten der obersten Leitung mehr. Rollen dürfen zugewiesen werden, die Verantwortung selbst bleibt aber oben und lässt sich nicht an einen Qualitätsbeauftragten delegieren.

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