Dokument und Nachweis

Qualitätsziele

Qualitätsziele konkretisieren die Qualitätspolitik auf relevanten Ebenen und Funktionen — sie müssen messbar sein, überwacht werden und zu erreichbaren Ergebnissen führen.

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Zwei Personen prüfen gemeinsam Unterlagen an einem Tisch

Qualitätsziele sind die Stelle, an der ein Managementsystem konkret wird. Sie übersetzen die Politik in Messbares — und sind eine der häufigsten Fundstellen für Auditfeststellungen.

Was die Norm verlangt

Kapitel 6.2.1 nennt sieben Eigenschaften. Qualitätsziele müssen:

  1. mit der Qualitätspolitik im Einklang stehen,
  2. messbar sein,
  3. anwendbare Anforderungen berücksichtigen,
  4. für die Konformität von Produkten und Dienstleistungen sowie die Kundenzufriedenheit relevant sein,
  5. überwacht werden,
  6. vermittelt werden,
  7. aktualisiert werden, soweit angemessen.

Kapitel 6.2.2 ergänzt die Planung: was, womit, wer, bis wann, wie bewertet.

Ziel, Kennzahl und Maßnahme sind nicht dasselbe

Die drei Begriffe werden vermischt, und daraus entstehen die meisten unbrauchbaren Zielformulierungen.

BegriffWas er leistetBeispiel
KennzahlMisst laufend einen ZustandLiefertreue in Prozent
ZielLegt fest, welcher Wert bis wann erreicht sein sollLiefertreue von 91 auf 96 Prozent bis Ende Q3
MaßnahmeBeschreibt den Weg dorthinZweite Schicht in der Vormontage ab Mai

Eine Kennzahl allein ist kein Ziel — sie sagt nur, dass gemessen wird. Eine Maßnahme ohne Zielwert ist nicht überprüfbar: irgendwann umgesetzt, ohne Aussage über die Wirkung.

Formulierungen, die durchfallen

Nicht brauchbarWarum
„Kundenzufriedenheit erhöhen“Keine Messgröße, kein Bezugswert, kein Termin
„Reklamationen reduzieren“Um wie viel, gemessen woran?
„Qualität sichern“Beschreibt den Normalbetrieb, kein Ziel

Formulierungen, die tragen

  • „Reklamationsquote von 2,1 % auf unter 1,5 % bis 31.12., gemessen als Anteil reklamierter an ausgelieferten Aufträgen.“
  • „Liefertreue in der Baugruppenfertigung von 91 % auf 96 % bis Ende Q3, gemessen als Anteil termingerecht abgeschlossener Fertigungsaufträge.“

Der Unterschied ist nicht die Sprache, sondern die Prüfbarkeit: Nach dem Stichtag lässt sich zweifelsfrei feststellen, ob das Ziel erreicht wurde. Weitere Muster stehen im Beitrag zum Formulieren von Qualitätszielen, etwa für Durchlaufzeiten.

Woher die Ziele kommen sollten

Nicht aus dem Vorjahr und nicht aus einer Vorlage. Die Norm baut eine Kette: KontextRisiken und Chancen → Ziele. Ein Auditor prüft sie rückwärts. Wenn Ihr größtes Risiko der Fachkräftemangel ist, Ihre Ziele aber nur Ausschussquoten betreffen, stimmt die Systemlogik nicht.

Ziele auf mehreren Ebenen

Die Norm verlangt Ziele auf zutreffenden Funktionen, Ebenen und Prozessen. Drei Ziele auf Geschäftsführungsebene genügen nur sehr kleinen Organisationen. In einem Betrieb mit Fertigung, Vertrieb und Einkauf erwartet ein Auditor abgeleitete Bereichsziele — und dass die Mitarbeitenden dort sie kennen.

Wie die Überwachung aussieht

Punkt 5 ist die Anforderung, an der die meisten Systeme scheitern. Ein Ziel, das im Januar festgelegt und im Dezember bewertet wird, ist nicht überwacht, sondern nachträglich abgerechnet. Erwartet wird ein Rhythmus, in dem der Stand betrachtet wird und bei Abweichung etwas passiert — monatlich in der Bereichsrunde, jährlich in der Managementbewertung. Der Nachweis ist das Protokoll der Runde, in der die Zahl auf dem Tisch lag.

Punkt 6 wird ähnlich oft übersehen und ist leicht zu prüfen: Der Auditor fragt in der Fertigung, welches Ziel dort gilt. Kommt keine Antwort, ist die Anforderung nicht erfüllt — egal wie sauber das Zielblatt aussieht.

Was ein Auditor prüft

Drei Zugriffe sind typisch. Erstens die Ableitungskette rückwärts. Zweitens die Planungsangaben nach 6.2.2: Zu einem herausgegriffenen Ziel lässt er sich Verantwortlichen, Termin, Ressourcen und Bewertungsmethode zeigen. Drittens der Umgang mit einem verfehlten Ziel — die aufschlussreichste Frage.

Ein nicht erreichtes Ziel ist keine Abweichung. Ein nicht erreichtes Ziel, zu dem niemand reagiert hat, schon. Wer die Verfehlung dokumentiert, die Ursache benannt und eine Maßnahme terminiert hat, zeigt genau das, was die Norm meint.

Häufige Fragen

Wie viele Qualitätsziele braucht ein Unternehmen?

Die Norm nennt keine Zahl. Drei bis sechs, die wirklich verfolgt werden, sind mehr wert als fünfzehn auf einer Liste. Wichtig ist die Verteilung: Die Norm verlangt Ziele auf relevanten Ebenen und Funktionen, nicht nur auf Geschäftsführungsebene.

Müssen Qualitätsziele jährlich neu festgelegt werden?

Nicht zwingend, aber sie müssen aktualisiert werden, wenn es angemessen ist. Ein Ziel, das seit vier Jahren unverändert dasteht und dreimal erreicht wurde, zeigt entweder fehlenden Anspruch oder fehlende Aufmerksamkeit.

Was verlangt Kapitel 6.2.2 zur Planung?

Zu jedem Ziel ist festzulegen, was zu tun ist, welche Ressourcen erforderlich sind, wer verantwortlich ist, wann es abgeschlossen sein soll und wie die Ergebnisse bewertet werden. Ein Ziel ohne diese fünf Angaben ist unvollständig — das ist eine der häufigsten Feststellungen überhaupt.

Ist ein verfehltes Qualitätsziel eine Abweichung?

Nein. Ziele dürfen verfehlt werden, sonst wären sie zu niedrig angesetzt. Zur Abweichung wird es erst, wenn niemand die Verfehlung bemerkt, bewertet oder darauf reagiert hat. Der Auditor prüft also nicht den Zielwert, sondern die Reaktion darauf.

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