Audit und Prüfung

Auditprogramm

Das Auditprogramm ist die Gesamtplanung aller internen Audits über einen Zeitraum — mit Häufigkeit, Methoden, Verantwortlichkeiten und Berichterstattung.

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Zwei Personen prüfen gemeinsam Unterlagen an einem Tisch

Das Auditprogramm ist die Antwort auf die Frage, wie eine Organisation über die Zeit sicherstellt, dass ihr Managementsystem geprüft wird. Es steht in Kapitel 9.2.2 und ist mehr als eine Terminliste.

Was hineingehört

  • Häufigkeit und Zeitpunkte je Prozess und Normkapitel
  • Methoden — Vor-Ort-Audit, Dokumentenprüfung, Fernaudit, Prozessbeobachtung
  • Verantwortlichkeiten — wer plant, wer auditiert, wer berichtet
  • Anforderungen an die Planung des einzelnen Audits
  • Berichterstattung — an wen, in welcher Form
  • Berücksichtigung von Bedeutung der Prozesse, Änderungen und früheren Ergebnissen

Der letzte Punkt ist der, an dem sich Programme unterscheiden.

Die Ebene über dem einzelnen Audit

Das Programm steuert, der Plan führt aus, der Bericht belegt. Diese Reihenfolge zu trennen erspart die häufigste Verwechslung im Audit:

  • Das Auditprogramm entscheidet, dass der Beschaffungsprozess in diesem Jahr zweimal geprüft wird, weil im Vorjahr Feststellungen offen blieben.
  • Der Auditplan legt den Termin, die Gesprächspartner und die Kriterien für jeden dieser beiden Durchgänge fest.
  • Der Auditbericht hält fest, was dabei herauskam.

Ein externer Auditor liest das Programm zuerst und prüft dann stichprobenartig, ob zu den geplanten Audits Pläne und Berichte existieren. Lücken zwischen diesen drei Ebenen fallen sofort auf.

Risikobasiert planen

Ein Programm, das zwölf Prozesse gleichmäßig über zwölf Monate verteilt, ist ordentlich, aber nicht risikobasiert. Die Norm verlangt eine Gewichtung:

MerkmalKonsequenz für die Planung
Prozess mit hohem KundeneinflussHäufiger, mit größerer Stichprobe
Neuer oder geänderter ProzessFrüh im Jahr, mit Nachverfolgung
Feststellungen aus dem VorjahrGezielt erneut prüfen
Neue Mitarbeitende in SchlüsselrollenPrüfen, ob Einarbeitung wirkt
Seit Jahren unauffälliger ProzessSeltener, kürzer

Diese Gewichtung sollte im Programm sichtbar sein — nicht als Prosa, sondern als erkennbare Verteilung. Wie sich das konkret aufbauen lässt, beschreibt der Leitfaden zur risikobasierten Auditprogrammplanung.

Der Vorteil der Verteilung

Vier interne Audits über das Jahr verteilt sind leichter zu organisieren als vier in einer Woche. Sie liefern außerdem Ergebnisse, mit denen sich noch etwas anfangen lässt: Wer im Februar eine Lücke findet, hat bis zum Zertifizierungsaudit Zeit, sie zu schließen.

Der geballte Auditblock kurz vor dem externen Termin ist am Datum der Berichte erkennbar — und ein Hinweis darauf, dass das System nicht gesteuert, sondern hergerichtet wurde.

Woran Programme im Audit scheitern

Das Programm ist eine Kopie des Vorjahres. Gleiche Prozesse, gleiche Monate, gleiche Dauer. Damit fehlt der Nachweis, dass frühere Ergebnisse berücksichtigt wurden.

Die unterstützenden Prozesse fehlen. Geprüft werden Produktion und Vertrieb, nicht aber Dokumentenlenkung, Managementbewertung, Schulung oder das interne Audit selbst. Das Programm muss alle Anforderungen abdecken, nicht nur die sichtbaren.

Die Kompetenz der Auditoren ist nicht belegt. Zum Programm gehört die Frage, wer auditieren darf. Ohne Schulungsnachweis oder dokumentierte Auditerfahrung ist das eine offene Flanke.

Es gibt keine Reaktion auf Abweichungen im Programm selbst. Fallen drei geplante Audits aus, muss das Programm angepasst und die Anpassung begründet werden. Ein stillschweigend gestrichener Termin ist eine Abweichung.

Häufige Fragen

Was unterscheidet Auditprogramm und Auditplan?

Das Auditprogramm ist die Jahresplanung über alle Audits hinweg. Der Auditplan betrifft ein einzelnes Audit: Termin, Bereiche, Gesprächspartner, Zeitfenster. Beide werden im Zertifizierungsaudit geprüft, das Programm allerdings gründlicher. Kurz gesagt: Das Programm entscheidet, was wann drankommt, der Plan regelt den einzelnen Termin, und der Auditbericht hält das Ergebnis fest.

Was heißt risikobasiert bei der Auditplanung?

Prozesse mit höherer Bedeutung, mit Änderungen oder mit Feststellungen aus dem Vorjahr werden häufiger und tiefer geprüft als unauffällige Bereiche. Ein Programm, das jeden Prozess gleich behandelt, erfüllt die Anforderung aus Kapitel 9.2.2 a) nicht. Die Gewichtung muss aus dem Programm ablesbar sein, nicht nur behauptet werden.

Müssen alle Normkapitel jedes Jahr geprüft werden?

Die Norm verlangt, dass das Programm alle Anforderungen abdeckt — über den Zyklus, nicht zwingend jährlich. Vor einer Erstzertifizierung erwarten Auditoren allerdings einen vollständigen Durchlauf, weil sonst der Nachweis fehlt, dass das System geprüft wurde. Planen Sie deshalb vor dem ersten externen Termin einen kompletten Durchlauf über alle Kapitel ein.

Wer verantwortet das Auditprogramm?

Die Norm fordert eine benannte Verantwortung für Planung, Durchführung und Berichterstattung. Üblich ist der Managementbeauftragte oder die QM-Leitung. Wichtig ist die Trennung von der Durchführung: Wer das Programm verantwortet, darf planen und berichten, sollte aber nicht seinen eigenen Zuständigkeitsbereich auditieren.

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