Methode und Werkzeug

Wissensmanagement

Wissensmanagement umfasst die Bestimmung, Bereitstellung und Pflege des Wissens, das eine Organisation zur Durchführung ihrer Prozesse benötigt.

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Erfahrener Mitarbeiter erklärt einer Kollegin einen Arbeitsschritt an der Maschine

Wissensmanagement bedeutet in der Normwelt etwas Engeres als in der Managementliteratur: das Wissen zu bestimmen, das eine Organisation für ihre Prozesse braucht, es bereitzuhalten und es aktuell zu halten. ISO 9001 fordert das in Kapitel 7.1.6 unter der Überschrift „Wissen der Organisation” — als Ressource, gleichrangig neben Personal, Infrastruktur und Prüfmitteln.

Was der Absatz tatsächlich verlangt

Drei Anforderungen stecken darin:

  1. Bestimmen. Welches Wissen ist für die Durchführung der Prozesse und die Konformität der Produkte und Dienstleistungen nötig?
  2. Bereithalten und zugänglich machen. Das Wissen muss dort verfügbar sein, wo es gebraucht wird — nicht nur im Kopf eines Zuständigen.
  3. Bei Änderungen ergänzen. Ändern sich Anforderungen, Technik oder Produkte, ist zu bestimmen, wie das zusätzlich benötigte Wissen erworben wird.

Was nicht verlangt wird: ein Wissensmanagementsystem, eine bestimmte Software, ein Wiki oder eine Wissenslandkarte. Die Norm bleibt bei der Wirkung und überlässt den Weg der Organisation.

Wie die Anforderung im Audit geprüft wird

Auditoren gehen fast immer über ein konkretes Szenario, nicht über ein Dokument. Die verbreitetste Frage lautet: Was passiert, wenn die Person, die diese Anlage seit zwanzig Jahren betreut, morgen ausfällt?

Belastbar sind Antworten mit Substanz: eine Störungshistorie mit Ursache und Abhilfe, dokumentierte Einstellwerte statt Erfahrungsgriffe, eine Vertretungsregelung, die auch schon einmal angewendet wurde, ein Übergabeverfahren beim Ausscheiden. Nicht belastbar ist der Verweis auf ein Laufwerk oder auf die Kompetenzmatrix — die zeigt, wer etwas kann, nicht, was die Organisation weiß.

Ein zweiter Prüfpfad läuft über Wiederholfehler. Tritt dieselbe Abweichung zum dritten Mal auf, ist das Wissen aus den ersten beiden Fällen nicht in die Organisation zurückgeflossen. Das ist die häufigste Feststellung zu diesem Kapitel, und sie wird selten unter „Wissen” abgelegt.

Die Grenze zur Kompetenz

Wissen der Organisation (7.1.6)Kompetenz (7.2)
Gehört zuder Organisationder Person
Bleibt bei Weggangjanein
Typischer NachweisStörungshistorie, Kalkulationsarchiv, VerfahrensregelnZeugnis, Unterweisung, Praxisnachweis
Typische MaßnahmeDokumentieren, Tandem, ÜbergabeSchulung, Einarbeitung

Die Verwechslung hat eine praktische Folge: Auf eine Wissenslücke wird mit einer Schulung geantwortet, obwohl niemand das Wissen hat, das geschult werden könnte. Warum das regelmäßig ins Leere läuft, beschreibt der Beitrag dazu, warum Schulung selten die richtige Korrekturmaßnahme ist.

Woran es scheitert

Alles wird gesammelt. Ein Ablagesystem mit vierhundert Dokumenten ohne Pflege ist kein Wissen, sondern Suchaufwand. Sinnvoll ist die Beschränkung auf die Bereiche, deren Ausfall wehtut.

Das Aussortieren fehlt. Veraltete Einträge sind gefährlicher als fehlende, weil ihnen jemand folgt. Wer Wissen bereitstellt, braucht denselben Prüfrhythmus wie bei der Dokumentenlenkung.

Die Übergabe beginnt zu spät. Vier Wochen vor dem Ruhestand lässt sich Erfahrung nicht mehr übertragen. Wirksam ist der Tandembetrieb über Monate, mit einer festen wöchentlichen Zeit und einer Liste der Themen, die abgearbeitet werden.

Häufige Fragen

Was verlangt ISO 9001 zum Wissen der Organisation?

Kapitel 7.1.6 fordert dreierlei: das für die Prozesse notwendige Wissen bestimmen, es in erforderlichem Umfang bereithalten und es bei geänderten Anforderungen ergänzen. Verlangt wird kein System, kein Wiki und keine Software — verlangt wird, dass die Organisation weiß, welches Wissen sie zur Leistungserbringung braucht und wie sie es sichert.

Worin unterscheiden sich Wissen und Kompetenz?

Kompetenz gehört zur Person und wird nach Kapitel 7.2 über Ausbildung, Schulung und Erfahrung nachgewiesen. Wissen gehört zur Organisation und bleibt, wenn eine Person geht. Ein eingearbeiteter Instandhalter hat Kompetenz. Eine dokumentierte Störungshistorie mit den bewährten Abhilfen ist Wissen der Organisation. Die Norm fordert beides in getrennten Kapiteln.

Reicht ein Wiki, um die Anforderung zu erfüllen?

Nur wenn es gepflegt und genutzt wird. Ein Auditor fragt nicht nach dem Werkzeug, sondern nach dem Vorgang: Wer entscheidet, was aufgenommen wird, wer prüft es auf Aktualität, was passiert mit veralteten Einträgen und wie kommt das Wissen einer ausscheidenden Person hinein. Ein Wiki ohne Zuständigkeit erzeugt eher Feststellungen, als dass es welche vermeidet.

Ist eine Zertifizierung nach ISO 30401 nötig?

Nein. Für ISO 9001 genügt die Erfüllung von Kapitel 7.1.6, und das ist ein Absatz. ISO 30401 baut daraus ein eigenes Managementsystem mit Politik, Zielen, Rollen und Audits. Das lohnt sich für Organisationen, deren Leistung überwiegend aus Wissen besteht — Ingenieurbüros, Beratungen, Forschung. Für einen Fertigungsbetrieb ist es meist überdimensioniert.

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