Das Turtle-Diagramm stellt einen einzelnen Prozess auf einer Seite dar: was hineingeht, was herauskommt und was dazwischen nötig ist. Es ersetzt kein Flussdiagramm, denn es zeigt keine Reihenfolge. Es beantwortet stattdessen die Fragen, die im Audit ohnehin gestellt werden.
Die sechs Felder
| Feld | Frage |
|---|---|
| Eingabe | Was löst den Prozess aus, was kommt herein, von wem? |
| Ergebnis | Was verlässt den Prozess, wer nimmt es entgegen? |
| Womit | Anlagen, Werkzeuge, Software, Prüfmittel, Arbeitsplatz |
| Mit wem | Rollen, geforderte Kompetenz, Vertretung |
| Wie | Verfahrensanweisungen, Vorgaben, Kundenforderungen, Rechtspflichten |
| Woran gemessen | Kennzahl, Zielwert, Datenquelle, Auswertungsrhythmus |
Der Prozessverantwortliche gehört in das Feld „Mit wem“ und zwar als Rolle, nicht als Name. Namen veralten bei jedem Personalwechsel, und ein Diagramm mit falschem Namen ist im Audit ein Einstiegspunkt für Nachfragen zur Pflege des gesamten Systems.
Wofür es taugt
Zur Vorbereitung eines internen Audits ist es das schnellste Werkzeug, das es gibt: Aus jedem der sechs Felder ergibt sich mindestens eine Auditfrage. Zeigen Sie mir das Prüfmittel aus dem Feld „Womit“. Wo ist der Kompetenznachweis für die Rolle aus dem Feld „Mit wem“. Wie hat sich die Kennzahl aus dem Feld „Woran gemessen“ im letzten Quartal entwickelt.
Dieselbe Systematik hilft beim Prozessaudit bei Lieferanten. Ein Lieferantenaudit lässt sich entlang der sechs Felder strukturieren, ohne dass die Checkliste vorher existieren muss.
Abgrenzung zur Prozesslandkarte
Beides wird regelmäßig verwechselt. Die Prozesslandkarte zeigt alle Prozesse und ihre Schnittstellen in der Übersicht, also die Breite. Das Turtle-Diagramm zeigt einen Prozess in der Tiefe. Die Landkarte beantwortet, welche Prozesse es gibt. Das Turtle beantwortet, ob ein einzelner Prozess vollständig beschrieben und steuerbar ist. Wie viele Prozesse überhaupt sinnvoll sind, behandelt der Beitrag wie viele Prozesse ein Managementsystem braucht.
Woran es scheitert
Das Messfeld bleibt leer oder unehrlich. Von allen sechs Feldern ist „Woran gemessen“ das am häufigsten unbrauchbare. Entweder steht dort nichts, oder es steht eine Kennzahl, die niemand erhebt. Ein Auditor fragt genau danach, weil das Feld die Verbindung zur Leistungsbewertung herstellt.
Vollständigkeit statt Auswahl. Dreißig Turtle-Diagramme für dreißig Prozesse bedeuten dreißig Dokumente, die gelenkt, geprüft und freigegeben werden müssen. Nach zwei Jahren stimmt die Hälfte nicht mehr.
Eingabe und Ergebnis werden mit Lieferant und Kunde verwechselt. In die Felder gehören Gegenstände und Informationen, nicht Organisationen: die freigegebene Zeichnung, nicht die Konstruktion. Wer Abteilungen einträgt, verliert genau die Übergabeinhalte, an denen die Fehler entstehen.
Es entsteht am Schreibtisch. Ein Turtle, das die Qualitätsstelle allein ausfüllt, beschreibt den Wunschzustand. Ausgefüllt wird es mit den Beteiligten, sonst beschreibt es einen Prozess, den es so nicht gibt.
