Methode und Werkzeug

Risikoinventar

Das Risikoinventar ist das Verzeichnis aller identifizierten Risiken mit ihrer Bewertung, dem Risikoeigentümer, der beschlossenen Behandlung und dem aktuellen Status.

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Geordnete Ablage mit beschrifteten Ordnern

Das Risikoinventar — oft auch Risikoregister genannt — ist das Verzeichnis, in dem alle identifizierten Risiken zusammenlaufen: mit Bewertung, benanntem Eigentümer, beschlossener Behandlung und aktuellem Stand. Es ist ein Arbeitsmittel, kein Normerfordernis. Keine der gängigen Managementsystemnormen schreibt es als Dokument vor.

Was hineingehört

Ein Register wird nicht durch die Zahl der Spalten brauchbar, sondern durch wenige, die wirklich gepflegt werden:

FeldWarum es nötig ist
Eindeutige NummerVerweise aus Maßnahmen, Audits und Protokollen
EreignisbeschreibungUrsache, Ereignis, Wirkung in einem Satz
RisikoeigentümerNamentlich, nicht als Abteilung
Bewertung vor BehandlungAusgangslage, sonst ist Wirkung nicht sichtbar
Behandlungsoption und MaßnahmenMit Termin und Verantwortlichem
Erwartetes und tatsächliches RestrisikoGetrennt, siehe unten
Status und Datum der letzten PrüfungMacht Stillstand sichtbar

Die Trennung von erwartetem und tatsächlichem Restrisiko ist die Spalte, die am häufigsten fehlt und am meisten bringt. Ohne sie sinkt die Bewertung bereits beim Beschluss der Maßnahme, nicht bei ihrer Wirkung.

Der Fehler in der Formulierung

Die meisten unbrauchbaren Register scheitern nicht an der Struktur, sondern an der Sprache der Einträge. Dort stehen Substantive: „Datenschutz“, „Lieferkette“, „Personal“. Das sind Themen, keine Risiken. Über ein Thema lässt sich weder eine Wahrscheinlichkeit noch eine Auswirkung aussagen, und eine Maßnahme dazu bleibt ebenso vage.

Ein brauchbarer Eintrag nennt Ursache, Ereignis und Folge: „Weil die Rezeptdaten nur auf einem Rechner liegen, kann ein Festplattendefekt die Chargenfreigabe für mehrere Tage blockieren.“ Erst diese Form erlaubt eine sinnvolle Risikoanalyse und eine überprüfbare Maßnahme.

Der zweite typische Fehler ist die falsche Flughöhe. Wer jeden Einzelfall erfasst, bekommt ein Register mit hunderten Zeilen, das niemand mehr durchgeht. Wer nur Oberbegriffe erfasst, bekommt zwölf Zeilen ohne Steuerungswirkung. Brauchbar ist die Ebene, auf der eine Maßnahme entschieden werden kann.

Zugriff und Vertraulichkeit

Ein gepflegtes Risikoinventar enthält die Schwachstellen einer Organisation in geordneter Form. Es ist damit selbst ein schützenswertes Dokument, und zwar eines der wenigen, bei denen der Schutzbedarf hinsichtlich Vertraulichkeit tatsächlich hoch ist. In der Praxis liegt es oft auf einem Laufwerk, auf das die halbe Verwaltung zugreifen kann.

Zugleich braucht es genug Leser, um gepflegt zu werden. Der brauchbare Kompromiss ist ein begrenzter Schreib- und Lesekreis mit ausgewerteten Auszügen für die Prozessverantwortlichen — nicht ein Dokument, das aus Vorsicht nur eine Person kennt.

Woran die Pflege scheitert

Das Register wächst nur. Es gibt keinen definierten Weg, einen Eintrag zu schließen. Nach drei Jahren enthält es Risiken zu Prozessen, die es nicht mehr gibt.

Alle Einträge tragen dasselbe Datum. Der sichere Hinweis auf eine jährliche Sammelbearbeitung kurz vor dem Überwachungsaudit. Auditoren fragen dann gezielt nach einer Veränderung des letzten Jahres und prüfen, ob sie sich im Register wiederfindet.

Kein Anschluss an andere Prozesse. Ein Register, das nicht mit Nichtkonformitäten, Kundenreklamationen und Vorfällen abgeglichen wird, enthält gedachte Risiken, während die eingetretenen daneben in einer anderen Liste stehen.

Häufige Fragen

Schreibt eine ISO-Norm ein Risikoinventar vor?

Keine der gängigen Managementsystemnormen fordert ein Risikoregister als Dokument. ISO 27001 verlangt dokumentierte Information über den Prozess der Risikobeurteilung und über deren Ergebnisse. Ein Register ist die verbreitetste Form, diese Anforderung zu erfüllen, aber nicht die einzige. ISO 9001 fordert für Chancen und Risiken keine dokumentierte Information.

Wie viele Einträge sollte ein Risikoinventar haben?

Es gibt keine sinnvolle Zielzahl, aber ein praktisches Maß: Wenn die Liste in der Managementbewertung nicht mehr in vertretbarer Zeit durchgesprochen werden kann, ist sie zu lang. Sehr umfangreiche Register entstehen meist dadurch, dass Einzelfälle statt Risikoklassen erfasst werden. Prüfen Sie in dem Fall, ob sich Einträge sinnvoll zusammenfassen lassen.

Wer pflegt das Risikoinventar?

Die Führung des Verzeichnisses liegt sinnvollerweise bei einer Stelle, die Inhalte kommen von den Prozessverantwortlichen. Wenn eine einzelne Person Inhalte und Bewertungen liefert, entsteht ein Register, das die Sicht dieser Person abbildet. Die Verantwortung für den einzelnen Eintrag bleibt beim benannten Risikoeigentümer.

Wie oft muss das Risikoinventar aktualisiert werden?

Anlassbezogen und regelmäßig. Anlässe sind Änderungen an Prozessen, Standorten, Lieferanten, Rechtsvorschriften oder am Geltungsbereich sowie eingetretene Vorfälle. Zusätzlich empfiehlt sich ein fester Durchgang im Jahresrhythmus. Ein Register, in dem alle Einträge dasselbe Änderungsdatum tragen, wird im Audit sofort hinterfragt. Ein seit Jahren unveränderter Eintrag ist entweder stabil oder vergessen.

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