Norm und Regelwerk

Normumstellung

Die Normumstellung ist der Weg einer zertifizierten Organisation von einer Normausgabe zur nächsten — mit Lückenanalyse, Übergangsaudit und neuem Zertifikat innerhalb der Übergangsfrist.

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Normenausgabe wird am Schreibtisch mit den eigenen Systemunterlagen abgeglichen

Die Normumstellung ist das, was eine neue Normausgabe im zertifizierten Betrieb auslöst. Sie ist kein Fachthema, sondern ein Termin: Ab der Veröffentlichung läuft eine Frist, innerhalb derer das eigene System und das Zertifikat auf die neue Ausgabe umgestellt sein müssen. Wie der Weg vom Entwurf zur Veröffentlichung verläuft, beschreibt der Eintrag zur Revision einer Norm; hier geht es um die Folgen im Betrieb.

Eine Überprüfung hat drei mögliche Ausgänge

Jede ISO-Norm wird spätestens alle fünf Jahre systematisch überprüft. Das zuständige Komitee entscheidet dann zwischen drei Wegen:

  • Bestätigung. Die Norm bleibt unverändert gültig. Es passiert nichts, und die Jahreszahl bleibt. Eine Norm mit älterer Jahreszahl ist deshalb nicht veraltet.
  • Revision. Es entsteht eine neue Ausgabe. Sie löst eine Übergangsfrist und eine Umstellungspflicht aus.
  • Zurückziehung. Die Norm entfällt, meist weil eine Nachfolgenorm sie ersetzt.

Für die Planung zählt der Unterschied zwischen den ersten beiden Fällen. Nur die Revision erzeugt Aufwand, und sie kündigt sich über die Komiteestände lange an.

Wie Sie rechtzeitig davon erfahren

Die Reihenfolge der Informationswege ist nahezu immer dieselbe: Zuerst wird im ISO-Komitee gearbeitet, dann erscheint ein öffentlicher Entwurf, dann die Norm, dann das Regelwerk des International Accreditation Forum mit den Umstellungsfristen, dann die Kundeninformation der Zertifizierungsstelle.

Wer erst am Ende dieser Kette einsteigt, verliert leicht ein Jahr des Zeitfensters. Praktikabel ist ein fester Punkt in der Managementbewertung: Sind die angewendeten Regelwerke noch aktuell, laufen Revisionen, und wann fällt das nächste Audit? Dieser Punkt kostet fünf Minuten und ersetzt jede Marktbeobachtung.

Was mit dem Zertifikat geschieht

Das Zertifikat wird nicht automatisch umgeschrieben. Nötig ist ein Übergangsaudit, das die geänderten Anforderungen prüft und in der Regel mit einem ohnehin geplanten Audit verbunden wird. Erst nach der Zertifizierungsentscheidung stellt die Stelle ein Zertifikat mit der neuen Normbezeichnung aus.

Zwei Punkte werden dabei regelmäßig falsch erwartet. Erstens verlängert die Umstellung die Laufzeit nicht: Das neue Zertifikat behält das Ablaufdatum des laufenden Zyklus. Zweitens schützt das aufgedruckte Ablaufdatum nicht vor dem Fristende — läuft die Übergangsfrist ab, verliert das alte Zertifikat seine Gültigkeit, auch wenn ein späteres Datum daraufsteht. Danach hilft nur eine neue Erstzertifizierung mit beiden Auditstufen.

Der Fehler ist die Behandlung als Dokumentenprojekt

Die Umstellung wird häufig als Suchen-und-Ersetzen verstanden: Jahreszahl austauschen, Handbuch anpassen, fertig. Geprüft wird aber die Anwendung. Eine im Vormonat freigegebene Verfahrensanweisung ohne einen einzigen Anwendungsnachweis erfüllt die neue Anforderung auf dem Papier und nicht im Audit.

Brauchbar ist die umgekehrte Reihenfolge: zuerst die Lückenanalyse gegen die englische Fassung, dann die Regelung im Betrieb umsetzen, dann die Dokumente nachziehen. So entstehen bis zum Übergangsaudit Nachweise, die den Zeitraum abdecken. Wer die Reihenfolge dreht, hat aktuelle Dokumente und leere Ordner.

Häufige Fragen

Wie erfahre ich, dass meine Norm überarbeitet wird?

Die verlässlichste Quelle ist die eigene Zertifizierungsstelle: Sie informiert ihre Kunden, sobald das International Accreditation Forum die Umstellungsregeln beschlossen hat. Früher erfahren Sie es über die Arbeitsstände der ISO-Komitees und die Spiegelgremien beim DIN. Fachpresse und Beratungsangebote laufen der offiziellen Information oft voraus, sind aber keine belastbare Grundlage.

Verlängert die Umstellung die Laufzeit meines Zertifikats?

In der Regel nicht. Das Übergangsaudit wird meist an ein ohnehin geplantes Überwachungsaudit oder an die Rezertifizierung gehängt. Das neue Zertifikat trägt die neue Normbezeichnung, behält aber das Ablaufdatum des laufenden Zyklus. Wer eine längere Laufzeit erwartet, plant die folgende Rezertifizierung zu spät ein.

Was passiert mit laufenden Ausschreibungen während der Umstellung?

Ein Zertifikat nach der alten Ausgabe bleibt bis zum Ende der Übergangsfrist gültig und ist bis dahin als Nachweis verwendbar. Vorsicht ist bei Ausschreibungen geboten, deren Vertragslaufzeit über das Fristende hinausreicht: Manche Auftraggeber fordern dann bereits den Nachweis nach der neuen Ausgabe. Das steht in den Vergabeunterlagen, nicht in der Norm.

Wer im Unternehmen sollte Normänderungen verfolgen?

Eine benannte Person mit Zugang zur Leitung, meist der Beauftragte für das Managementsystem. Wichtiger als die Person ist die Verankerung: Die Prüfung auf Änderungen an den angewendeten Regelwerken gehört als fester Punkt in die Managementbewertung. Sonst wird eine Revision erst bemerkt, wenn die Zertifizierungsstelle einen Termin vorschlägt.

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