Dokument und Nachweis

Mitgeltende Unterlagen

Mitgeltende Unterlagen sind alle Dokumente, die zur Anwendung eines Verfahrens zusätzlich benötigt werden — Formblätter, Checklisten, Normen, Kundenvorgaben und verknüpfte Anweisungen.

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Mehrere aufgeschlagene Regelwerke und Formulare nebeneinander

Mitgeltende Unterlagen sind die Dokumente, die man zusätzlich braucht, um ein Verfahren anzuwenden. Steht in einer Verfahrensanweisung zur Reklamationsbearbeitung, dass der Vorgang auf einem bestimmten Formblatt aufgenommen wird, ist dieses Formblatt eine mitgeltende Unterlage.

Der Abschnitt hat einen praktischen Zweck: Er zeigt, was mitgeändert werden muss, wenn das Verfahren sich ändert. Genau deshalb ist er die Stelle, an der Dokumentensysteme am leisesten kaputtgehen.

Was typischerweise hineingehört

  • Formblätter und Checklisten, die im Ablauf ausgefüllt werden
  • Nachgeordnete Anweisungen, etwa die Arbeitsanweisung zu einem Schritt des Verfahrens
  • Externe Vorgaben: Normen, Rechtstexte, Kundenzeichnungen, Lieferantenspezifikationen
  • Verknüpfte Verfahren, deren Ergebnis Eingang in dieses Verfahren ist

Nicht hinein gehören Dokumente, die nur inhaltlich verwandt sind. Ein Abschnitt „Mitgeltende Unterlagen“, in dem zwölf Dokumente stehen, von denen zwei tatsächlich gebraucht werden, wird nach der zweiten Änderung nicht mehr gepflegt.

Der Verweis ist die Schwachstelle

Ein Verweis überlebt nur, wenn er auf etwas Stabiles zeigt. Stabil ist die Dokumentennummer. Nicht stabil sind Dateipfad, Dateiname und Versionsstand.

Die typische Kette: Ein Laufwerk wird umstrukturiert, Ordner werden zusammengelegt, Dokumente behalten ihren Inhalt, aber nicht ihren Pfad. Sämtliche Verweise in den Verfahren zeigen ins Leere. Auffallen wird es erst, wenn jemand einem Verweis folgt — im Zweifel im Audit.

Ebenso häufig ist die Rückrichtung: Ein Formblatt wird geändert oder ersetzt, ohne dass jemand prüft, welche Verfahren darauf verweisen. Ohne eine Rückwärtssuche im Dokumentenmanagementsystem lässt sich das kaum vermeiden. Wo eine solche Suche fehlt, hilft ein zusätzlicher Abschnitt im Zieldokument, der festhält, wo es verwendet wird. Das ist doppelte Pflege, aber sie deckt genau den Fall ab, den die Dokumentenlenkung sonst übersieht.

Externe Unterlagen ohne Ausgabestand

Der schwerwiegendste Fehler in diesem Abschnitt sind Verweise auf externe Dokumente ohne Ausgabe. „Nach DIN EN ISO 9001“ zu prüfen, sagt nichts darüber aus, ob die Fassung von 2008 oder von 2015 gemeint ist.

Bei Kundenzeichnungen ist der Effekt unmittelbar spürbar: Wird eine Zeichnung in einem neuen Index geliefert, muss der Verweis in der Prüf- oder Fertigungsunterlage nachgezogen werden. Sonst wird nach dem alten Index gefertigt und die daraus entstehende Nichtkonformität fällt erst beim Kunden auf.

Deshalb gehört die Überwachung externer Dokumente als fester Prüfpunkt in das Auditprogramm — mindestens einmal jährlich die Frage, ob die verwendeten Ausgaben noch gültig sind.

Die einfache Gegenprobe

Nehmen Sie ein beliebiges Verfahren und folgen Sie jedem Verweis im Abschnitt „Mitgeltende Unterlagen“. Wenn einer davon nicht in unter einer Minute auffindbar ist, funktioniert das System nicht — unabhängig davon, wie vollständig die Liste aussieht.

Häufige Fragen

Sind mitgeltende Unterlagen in ISO 9001 gefordert?

Der Begriff kommt in der Norm nicht vor. Er ist eine Konvention aus der deutschen QM-Praxis. Die dahinterliegende Anforderung existiert aber: Dokumentierte Informationen müssen dort verfügbar sein, wo sie benötigt werden. Ein Verfahren, das ohne ein zweites Dokument nicht anwendbar ist, muss auf dieses verweisen.

Gehören externe Normen in die Liste?

Ja, wenn ohne sie nicht gearbeitet werden kann. Externe Dokumente unterliegen ausdrücklich der Lenkung. Der Verweis sollte die Ausgabe nennen, nicht nur die Nummer. Ein Verweis auf eine Norm ohne Ausgabestand ist der Grund, warum Betriebe mit zurückgezogenen Fassungen weiterarbeiten, ohne es zu merken.

Worauf sollte ein Verweis zeigen?

Auf die Dokumentennummer und den Titel, nicht auf einen Dateipfad und nicht auf eine Versionsnummer. Der Pfad ändert sich bei jeder Umstrukturierung des Laufwerks, die Versionsnummer bei jeder Änderung des Zieldokuments. Beides erzeugt Verweise, die nach kurzer Zeit falsch sind, ohne dass jemand das bemerkt.

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