Norm und Regelwerk

Integriertes Managementsystem

Ein integriertes Managementsystem führt die Anforderungen mehrerer Managementsystemnormen in einer gemeinsamen Struktur mit einem Prozessmodell, einem Auditprogramm und einer Managementbewertung zusammen.

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Kleine Arbeitsgruppe bespricht die Zusammenführung mehrerer Normen

Ein integriertes Managementsystem führt mehrere Normen in einer Struktur zusammen: ein Prozessmodell, eine Dokumentenlenkung, ein Auditprogramm, eine Managementbewertung. Möglich wird das durch die harmonisierte Struktur aus Anhang SL, die allen aktuellen Managementsystemnormen dieselben zehn Kapitel gibt.

Was sich teilen lässt und was nicht

BereichIntegration
Kontext, interessierte Parteien, Geltungsbereichgemeinsam, mit normspezifischen Ergänzungen
Führung, Politik, Rollengemeinsam, Politik oft als ein Dokument
Planung, Ziele, Risiken und Chancengemeinsame Methodik, getrennte Inhalte
Ressourcen, Kompetenz, dokumentierte Informationgemeinsam
Betrieb (Kapitel 8)getrennt, fachlich nicht zusammenführbar
Bewertung und Verbesserunggemeinsam

Kapitel 8 ist die Trennlinie. Dort steht bei ISO 9001 die Wertschöpfung, bei ISO 45001 die Gefährdungsbeurteilung samt Beteiligung der Beschäftigten, bei ISO 14001 der Umgang mit Umweltaspekten und die Notfallvorsorge, bei ISO/IEC 27001 die Risikobehandlung mit der Erklärung zur Anwendbarkeit, bei ISO 50001 die energetische Ausgangsbasis mit den Energieleistungskennzahlen.

Wer versucht, diese Inhalte in einem Dokument zu verschmelzen, verliert entweder Fachtiefe oder erzeugt ein Papier, das niemand mehr verwendet.

Der Vorteil zeigt sich in der Auditplanung

Zertifizierungsstellen prüfen integrierte Systeme im Kombiaudit. Gemeinsame Elemente werden einmal geprüft statt dreimal, was die Gesamtauditzeit gegenüber getrennten Verfahren senkt. Die Berechnung folgt den Vorgaben des International Accreditation Forum und hängt vom nachgewiesenen Integrationsgrad ab.

Genau hier liegt der praktische Hebel: Der Integrationsgrad wird an gemeinsamen Prozessen und gemeinsamen Verantwortlichkeiten gemessen, nicht an einem gemeinsamen Deckblatt. Drei zusammengehefteten Handbüchern mit drei getrennten Beauftragten wird kein hoher Integrationsgrad zuerkannt.

Der Preis der Integration wird selten genannt

Gemeinsame Elemente teilen auch ihre Fehler. Ein Auditprogramm, das nicht risikobasiert geplant ist, erzeugt in einem integrierten System nicht eine Abweichung, sondern eine gegen jede beteiligte Norm. Dasselbe gilt für eine unzureichende Managementbewertung oder eine Dokumentenlenkung ohne Freigabenachweis.

Aus einer Nebenabweichung im Einzelsystem wird so schnell ein Befund mit dreifacher Wirkung. Vor der Zertifizierung lohnt sich deshalb ein internes Audit, das genau die gemeinsamen Elemente prüft — nicht die fachlichen Kapitel, in denen ohnehin die Spezialisten arbeiten.

Woran es in der Praxis scheitert

Der häufigste Fehler ist Integration auf dem Papier. Dokumente werden zusammengelegt, Zuständigkeiten nicht. Es bleiben drei Beauftragte mit drei Terminkalendern, die sich zweimal im Jahr abstimmen.

Der zweite Fehler betrifft die Managementbewertung. Sie behandelt ausführlich die Qualität, während Arbeitsschutz und Umwelt als Anhang mitlaufen, den niemand bespricht. Formal ist die Anforderung erfüllt, inhaltlich fehlt für zwei Normen die Bewertung durch die oberste Leitung.

Der dritte Fehler ist die Reihenfolge beim Aufbau. Wer alle Normen gleichzeitig einführen will, überlastet dieselben wenigen Personen. Der tragfähigere Weg ist, ein System aufzubauen, es einen vollständigen Zyklus laufen zu lassen und die zweite Norm erst danach anzudocken. Die gemeinsamen Elemente stehen dann bereits, und die zweite Einführung beschränkt sich weitgehend auf Kapitel 8.

Häufige Fragen

Welche Normen lassen sich integrieren?

Alle, die der harmonisierten Struktur folgen — in der Praxis meist ISO 9001, ISO 14001, ISO 45001, ISO 50001 und ISO/IEC 27001. Ältere Normen mit eigener Struktur lassen sich anbinden, aber nicht sauber verschmelzen. Entscheidend ist nicht die Zahl der Normen, sondern ob dieselben Personen dieselben Prozesse steuern.

Spart ein Kombiaudit Audittage?

In der Regel ja. Die Regeln des International Accreditation Forum sehen für integrierte Systeme eine Reduktion der Auditzeit vor, weil gemeinsame Elemente wie Führung, Dokumentenlenkung und internes Audit nur einmal geprüft werden. Die Reduktion hängt vom Integrationsgrad ab und wird von der Zertifizierungsstelle begründet, nicht frei verhandelt.

Braucht ein IMS ein gemeinsames Handbuch?

Nicht zwingend. Kein aktueller Normtext verlangt ein Handbuch. Sinnvoll ist eine gemeinsame Prozesslandkarte mit einer Zuordnung, welcher Prozess welche Normanforderungen abdeckt. Diese Matrix ersetzt drei parallele Dokumentensätze und ist im Audit der schnellste Einstieg.

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