Aufbau

Wie Sie mehrere Normen in einem System zusammenführen

Die gemeinsame Grundstruktur der Managementsystemnormen macht die Zusammenführung möglich. Sie macht sie nicht automatisch einfach — der Betriebsteil bleibt getrennt.

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Normtexte mehrerer Managementsystemnormen im Vergleich

Die Zusammenführung mehrerer Normen ist möglich, weil die Managementsystemnormen seit Jahren dieselbe Grundstruktur verwenden: gleiche Kapitelnummern, gleiche Kernbegriffe, in weiten Teilen identischer Anforderungstext. Diese gemeinsame Basis stammt aus einem Anhang der ISO-Direktiven und ist unter den Bezeichnungen Anhang SL und High Level Structure bekannt. Praktisch bedeutet sie: Die Kapitel vier bis sieben sowie neun und zehn lassen sich weitgehend gemeinsam regeln. Kapitel acht, der Betrieb, bleibt normspezifisch — und dort steckt die eigentliche Arbeit.

Was gemeinsam wird und was getrennt bleibt

ThemaGemeinsam möglichBleibt normspezifisch
Kontext und interessierte Parteieneine Analyse, mehrere Blickwinkel je Normdie Themen selbst: Umwelt, Sicherheit, Qualität
Führung und Politikein Dokument mit Abschnitten je Themainhaltliche Verpflichtungen der jeweiligen Norm
Risiken und Chancenein Verfahren, ein RegisterUmweltaspekte, Gefährdungsbeurteilung, Informationswerte
Kompetenz und Bewusstseineine Kompetenzmatrix, ein Schulungsplanfachliche Pflichtunterweisungen
Dokumentierte Informationeine Lenkung, eine AblageAufbewahrungsfristen aus Rechtsvorschriften
Betrieb (Kapitel 8)kaum etwasvollständig getrennt
Bewertung der Leistungein Auditprogramm, eine ManagementbewertungKennzahlen und Compliance-Bewertung je Thema
Verbesserungein MaßnahmenregisterMeldepflichten und Fristen je Rechtsgebiet

Die dritte und die sechste Zeile werden am häufigsten falsch eingeschätzt. Ein gemeinsames Risikoverfahren ist sinnvoll, die Bewertungslogik ist es nicht: Umweltaspekte werden anders bewertet als Gefährdungen für Beschäftigte, und beide anders als Risiken für Informationswerte. Wer alles in eine gemeinsame Risikomatrix zwingt, verliert die fachliche Aussage und bekommt eine Tabelle, in der Gefahrstoffe und Serverausfälle dieselbe Zahl tragen.

Kapitel acht ist die eigentliche Arbeit

Die gemeinsame Struktur verleitet zu der Annahme, eine zweite Norm sei überwiegend eine Formsache. Der Betriebsteil zeigt das Gegenteil, weil er in jeder Norm etwas völlig anderes verlangt.

Im Qualitätsmanagement geht es um Entwicklung, Beschaffung, Produktion und die Lenkung fehlerhafter Ergebnisse. Im Umweltmanagement um die Steuerung der Tätigkeiten mit bedeutenden Umweltaspekten, um die Lebenswegbetrachtung und um Notfallvorsorge. Im Arbeitsschutz um Gefährdungsbeurteilung, Beschaffungs- und Fremdfirmensteuerung sowie Notfallplanung. In der Informationssicherheit um die Risikobehandlung und die Maßnahmen, die in der Anwendbarkeitserklärung begründet ein- oder ausgeschlossen werden.

Diese Teile lassen sich nicht zusammenfassen, sondern nur nebeneinanderstellen. Wer den Aufwand einer Erweiterung schätzt, sollte deshalb die gemeinsamen Kapitel mit geringem Aufwand ansetzen und den Betriebsteil mit dem vollen. Die verbreitete Erwartung, eine zweite Norm koste nur einen Bruchteil der ersten, stimmt für die Systemmechanik und nicht für die Fachinhalte.

Die Reihenfolge, die funktioniert

Zusammenführen heißt nicht, alles gleichzeitig einzuführen. Bewährt hat sich eine Reihenfolge in vier Schritten:

  1. Bestand aufnehmen. Welche Verfahren regeln bereits normübergreifende Themen? In den meisten Fällen sind Dokumentenlenkung, Auditprogramm, Maßnahmenbearbeitung und Managementbewertung schon vorhanden und werden nur für eine Norm genutzt.
  2. Gemeinsame Verfahren erweitern statt neu schreiben. Ein bestehendes Auditverfahren bekommt einen Abschnitt zur Auditorenkompetenz für das neue Thema. Das ist eine halbe Seite, kein neues Dokument.
  3. Normspezifische Teile ergänzen. Umweltaspekte, Gefährdungsbeurteilung, Anwendbarkeitserklärung, Notfallvorsorge. Diese Teile entstehen neu und brauchen Fachwissen.
  4. Verweise setzen, nicht kopieren. Jeder kopierte Absatz muss künftig doppelt gepflegt werden. Nach der ersten Normrevision zeigt sich, welche Kopien vergessen wurden.

Punkt vier ist der Unterschied zwischen einem System, das nach fünf Jahren noch stimmt, und einem, das auseinanderläuft.

Die Dokumentenstruktur entscheidet über den Pflegeaufwand

Es gibt zwei brauchbare Ansätze und einen, der regelmäßig scheitert.

Der prozessorientierte Ansatz ordnet die Dokumente nach Abläufen. Ein Verfahren zur Beschaffung enthält alles, was bei der Beschaffung zu beachten ist — Qualitätsanforderungen, Umweltkriterien, Sicherheitsvorgaben. Das entspricht dem Arbeitsalltag und ist für die Anwender die einfachste Variante. Nachteil: Der Nachweis gegenüber der Norm braucht eine Zuordnungstabelle.

Der normorientierte Ansatz gliedert nach Kapiteln. Er erleichtert das Audit und erschwert die Anwendung, weil niemand seinen Arbeitsablauf in Kapitelnummern denkt.

Was regelmäßig scheitert, ist die Kombination beider: ein Handbuch, das alle Normkapitel für alle Normen ausformuliert, plus Verfahren, die dasselbe noch einmal beschreiben. Solche Systeme wachsen auf mehrere hundert Seiten und werden nach der ersten Revision nicht mehr angefasst. Eine Dokumentenlenkung, die für alle Normen gilt, ist dagegen eine der wirksamsten Vereinfachungen überhaupt.

Audit und Zertifikate zusammenlegen

Ein gemeinsames Auditprogramm prüft einen Bereich einmal und deckt dabei mehrere Normen ab. Das ist weniger Aufwand für die Bereiche und ergibt bessere Audits, weil die Themen im Zusammenhang betrachtet werden. Voraussetzung ist, dass die Auditoren für alle geprüften Normen kompetent sind — sonst wird aus dem kombinierten Audit ein Qualitätsaudit mit zwei Zusatzfragen. Wie die Bereiche nach Risiko priorisiert werden, ist im Beitrag zur risikobasierten Auditplanung beschrieben.

Auf der Zertifikatsseite ist der praktische Punkt die Laufzeit. Wer die zweite Norm mitten im laufenden Zyklus einführt, hat anschließend zwei Zertifikate mit unterschiedlichen Ablaufdaten und dadurch zwei Auditrunden im Jahr. Sprechen Sie die Angleichung vor der Erweiterung mit der Zertifizierungsstelle ab: Ein verkürzter Zyklus für das neue Zertifikat kostet einmalig etwas und spart danach jedes Jahr eine Auditreise.

Der häufigste Fehler

Der häufigste Fehler ist die Integration auf dem Papier. Die Dokumente werden zusammengelegt, die Verantwortung bleibt getrennt: Der Qualitätsbeauftragte pflegt seinen Teil, die Fachkraft für Arbeitssicherheit ihren, der Umweltbeauftragte seinen. Es gibt drei Maßnahmenlisten, drei Auditpläne und eine Managementbewertung, in der jeder zwanzig Minuten vorträgt.

Woran man es erkennt: Eine Abweichung aus dem Umweltaudit taucht im gemeinsamen Maßnahmenregister nicht auf. Wenn das der Fall ist, existiert das integrierte Managementsystem als Ordnerstruktur, aber nicht als Arbeitsweise. Was das im Tagesgeschäft konkret bedeutet, ist im Beitrag zum integrierten System im Alltag beschrieben.

Häufige Fragen

Welche Normen lassen sich zusammenführen?

Alle Managementsystemnormen, die der gemeinsamen Grundstruktur folgen — darunter die Normen für Qualität, Umwelt, Arbeitsschutz, Energie, Informationssicherheit, Business Continuity und KI-Managementsysteme. Sie haben dieselbe Kapitelnummerierung und weitgehend identische Anforderungen in den Kapiteln zu Kontext, Führung, Planung, Unterstützung, Bewertung und Verbesserung.

Braucht ein integriertes System ein gemeinsames Handbuch?

Ein Handbuch ist seit der Ausgabe 2015 der Qualitätsmanagementnorm nicht mehr gefordert. Wenn Sie eines führen, spricht nichts gegen ein gemeinsames Dokument — es sollte allerdings kurz sein und auf die Verfahren verweisen, statt sie zu wiederholen. Handbücher, die alle Normanforderungen mehrfach abbilden, werden nach der ersten Normrevision nicht mehr gepflegt.

Spart ein integriertes Audit Audittage?

In der Regel ja. Die Zertifizierungsstelle setzt den Aufwand für ein kombiniertes Audit niedriger an als die Summe der Einzelaudits, weil gemeinsame Systemteile nur einmal geprüft werden. Wie groß die Reduktion ausfällt, hängt vom tatsächlichen Integrationsgrad ab und wird von der Stelle bewertet — ein System, das nur nebeneinander abgeheftet ist, bringt keine Ersparnis.

Müssen die Zertifikate dieselbe Laufzeit haben?

Nötig ist das nicht, praktisch ist es fast immer. Unterschiedliche Ablauftermine bedeuten mehrere Auditreisen im Jahr und getrennte Rezertifizierungen. Eine Angleichung ist möglich, indem ein Zyklus verkürzt wird; das muss mit der Zertifizierungsstelle vereinbart werden und ist im laufenden Vertrag der übliche Weg.

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