Norm und Regelwerk

High Level Structure

Die High Level Structure ist der einheitliche Aufbau aus zehn Kapiteln mit gemeinsamen Begriffen und Grundtexten, dem alle modernen ISO-Managementsystemnormen folgen.

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Normtext mit markierten Kapiteln auf dem Schreibtisch

Die High Level Structure ist der gemeinsame Bauplan aller modernen ISO-Managementsystemnormen: zehn Kapitel in fester Reihenfolge, identische Kernbegriffe und in weiten Teilen identischer Grundtext. Wer eine dieser Normen kennt, findet sich in jeder anderen zurecht.

Die zehn Kapitel

  1. Anwendungsbereich
  2. Normative Verweisungen
  3. Begriffe
  4. Kontext der Organisation
  5. Führung
  6. Planung
  7. Unterstützung
  8. Betrieb
  9. Bewertung der Leistung
  10. Verbesserung

Die ersten drei Kapitel enthalten keine Anforderungen. Sie beschreiben, wofür die Norm gilt, worauf sie verweist und was die Begriffe bedeuten. Die prüfbaren Anforderungen beginnen bei Kapitel 4. Wer eine Norm zum ersten Mal aufschlägt und vorne anfängt, liest drei Kapitel Vorspann und findet das Wesentliche erst danach.

Die Reihenfolge folgt dem PDCA-Zyklus: Kapitel 4 bis 7 planen, Kapitel 8 führt aus, Kapitel 9 prüft, Kapitel 10 verbessert. Das ist kein Zufall, sondern die Konstruktionsidee.

Woher sie kommt

Festgelegt ist die Struktur im Anhang SL der ISO/IEC-Direktiven, dem Regelwerk, nach dem ISO-Gremien Normen erstellen. Seit 2012 sind Managementsystemnormen darauf verpflichtet. Bei der Überarbeitung 2021 wurde sie in Harmonized Structure umbenannt und in Teilen präzisiert, etwa bei Klimaaspekten im Kontext. Der Kapitelaufbau blieb unverändert.

Gleiche Struktur bedeutet nicht gleiche Anforderung

Das ist die Verwechslung, die beim Aufbau eines integrierten Systems am meisten kostet. Die Kapitelnummern stimmen überein, die Inhalte nicht.

ISO 45001 enthält mit der Konsultation und Beteiligung der Beschäftigten eine Anforderung in Kapitel 5, die es in ISO 9001 nicht gibt. ISO 27001 ergänzt einen normativen Anhang mit Maßnahmen, die einzeln zu bewerten sind. ISO 14001 verlangt in Kapitel 8 die Betrachtung des Lebenswegs. Wer ein bestehendes System „nur um die zweite Norm erweitert“ und dabei die gemeinsamen Kapitel übernimmt, übersieht regelmäßig genau diese normspezifischen Teile — und erlebt es im Stufe-1-Audit.

Was der einheitliche Aufbau praktisch bringt

Bei zwei oder drei Normen im Haus lassen sich die gemeinsamen Teile einmal aufbauen: Kontext und interessierte Parteien, Rollen und Befugnisse, Kompetenz, Lenkung dokumentierter Information, internes Audit und Managementbewertung. Auch das Audit lässt sich kombinieren, sodass die Zertifizierungsstelle mehrere Normen in einem Termin prüft. Der Aufwand verringert sich damit spürbar, allerdings nicht proportional zur Zahl der Normen, weil die Kapitel 6 und 8 je Norm eigenständig bleiben.

Der häufigste Aufbaufehler

Die Dokumentation wird entlang der Kapitelstruktur angelegt: ein Ordner je Kapitel, ein Handbuchabschnitt je Unterpunkt, ein Verfahren je Anforderung. Das Ergebnis erfüllt die Norm formal und wird im Alltag nicht benutzt, weil niemand in Kapiteln arbeitet. Gearbeitet wird in Prozessen.

Der tragfähige Weg ist umgekehrt: Die Dokumentation folgt der Prozesslandkarte, und eine Zuordnungsliste verbindet Normkapitel mit dem jeweiligen Nachweis. Diese Liste ist kein Zusatzaufwand. Sie ist genau das Dokument, das die Zertifizierungsstelle in der ersten Stufe sehen will, und sie ersetzt in vielen Fällen ein Handbuch, das ohnehin niemand aufschlägt.

Häufige Fragen

Heißt es noch High Level Structure oder Harmonized Structure?

Beides ist im Umlauf. Die Struktur ist im Anhang SL der ISO/IEC-Direktiven festgelegt und wurde bei der Überarbeitung im Jahr 2021 in Harmonized Structure umbenannt. Der ältere Begriff High Level Structure und die Abkürzung HLS haben sich im deutschen Sprachgebrauch gehalten. Gemeint ist dasselbe: gleicher Kapitelaufbau, gleiche Kernbegriffe, gleiche Grundtexte.

Gilt die Struktur für alle ISO-Normen?

Nein, nur für Managementsystemnormen. Produktnormen, Prüfnormen und Leitfäden folgen ihr nicht. Innerhalb der Managementsystemnormen ist sie durchgesetzt: ISO 9001, ISO 14001, ISO 45001, ISO 27001, ISO 50001, ISO 22301 und ISO 42001 sind gleich aufgebaut. Beim Wechsel zwischen ihnen finden Sie dieselbe Anforderung an derselben Kapitelnummer.

Erleichtert die Struktur ein integriertes Managementsystem?

Deutlich. Kontext, interessierte Parteien, Rollen und Verantwortlichkeiten, Dokumentenlenkung, internes Audit und Managementbewertung lassen sich einmal aufbauen und für alle Normen nutzen. Die Unterschiede stecken in den Kapiteln 6 und 8, also in Planung und Betrieb. Dort bleibt jede Norm eigenständig.

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