Rolle und Verantwortung

Oberste Leitung

Die oberste Leitung ist die Person oder Gruppe, die eine Organisation auf höchster Ebene leitet und lenkt — im Managementsystem trägt sie die Rechenschaftspflicht für dessen Wirksamkeit.

Einschätzung anfragen Zum Inhalt

Geschäftsführung im Gespräch über Kennzahlen des Managementsystems

Oberste Leitung ist in den ISO-Managementsystemnormen die Person oder Gruppe, die eine Organisation auf höchster Ebene leitet und lenkt. In den meisten mittelständischen Unternehmen ist das die Geschäftsführung. Entscheidend ist nicht der Titel, sondern die Befugnis, Ressourcen zuzuweisen und Prioritäten zu setzen.

Wer gemeint ist, hängt am Geltungsbereich

Die Zuordnung ergibt sich aus dem Geltungsbereich des Managementsystems, nicht aus dem Handelsregister. Ist ein Standort zertifiziert, ist dessen Leitung die oberste Leitung. Deckt das Zertifikat mehrere Gesellschaften ab, ist es die Ebene, auf der diese gemeinsam gesteuert werden.

Daraus folgt eine Grenze, die in Konzernstrukturen regelmäßig übersehen wird: Wenn Budget, Personalentscheidungen und IT-Vorgaben in einer Zentrale außerhalb des Geltungsbereichs fallen, kann die benannte oberste Leitung ihre Pflichten nur eingeschränkt erfüllen. Entweder wird der Geltungsbereich angepasst, oder es braucht nachweisbare Entscheidungswege in die Zentrale.

Was seit 2015 nicht mehr abgegeben werden kann

Vor der Normrevision gab es den Beauftragten der obersten Leitung als Pflichtrolle. Diese Rolle ist entfallen. Der Grund war eine Beobachtung aus der Auditpraxis: Das Managementsystem lag beim Beauftragten, die Geschäftsführung war damit fertig.

Seither verlangen die Normen ausdrücklich, dass die Leitung für die Wirksamkeit des Systems rechenschaftspflichtig ist. Aufgaben darf sie weiterhin übertragen — die Verantwortung dafür, dass am Ende etwas herauskommt, nicht. Praktisch heißt das:

  • Die Politik wird von der Leitung festgelegt, nicht vom Qualitätsmanagement formuliert und unterschrieben.
  • Ziele werden mit der Geschäftsstrategie verknüpft, nicht daneben gestellt.
  • Die Managementbewertung ist ihr Termin und ihre Entscheidung.
  • Ressourcen für interne Audits, Schulung und Korrekturmaßnahmen kommen von ihr.

Was das Audit tatsächlich prüft

Auditoren fragen die Leitung nicht nach Normkapiteln. Sie fragen nach dem Geschäft: Welche Entwicklung im Markt beschäftigt Sie gerade? Woran merken Sie, dass das System etwas bringt? Welche Entscheidung haben Sie im letzten Jahr aufgrund von Daten aus dem System getroffen?

Wer darauf frei antworten kann, hat das Leitungskapitel erfüllt, auch ohne die Politik auswendig zu kennen. Wer stattdessen zum Qualitätsbeauftragten hinüberschaut, hat ein Problem — und zwar eines, das sich kurzfristig nicht beheben lässt. Eine hilfreiche Vorbereitung ist die Sammlung typischer Fragen aus dem Audit.

Woran es scheitert

Die Managementbewertung wird vorbereitet und vorgelesen. Das Qualitätsmanagement erstellt eine Präsentation, die Leitung nickt sie ab. Damit fehlt das Ergebnis, das die Norm erwartet: Entscheidungen über Änderungen und Ressourcen. Ein Protokoll ohne Beschlüsse ist der häufigste Befund zu diesem Kapitel.

Die Politik passt nicht zum Betrieb. Sätze über Kundenzufriedenheit und Mitarbeiterorientierung, die in jedem Unternehmen stehen könnten, sind formal zulässig und praktisch wertlos. Sie liefern keine Grundlage für messbare Ziele.

Die Leitung erfährt nur Gutes. Wenn interne Audits keine Feststellungen liefern, steuert die oberste Leitung auf Basis einer geschönten Lage.

Häufige Fragen

Gibt es noch einen Managementbeauftragten?

Als Normanforderung nicht mehr. Mit der Revision der ISO-Managementsystemnormen ab 2015 ist die Pflicht entfallen, einen Beauftragten der obersten Leitung zu benennen. Die Aufgaben bestehen weiter und werden in der Praxis fast immer an eine Person übertragen. Was nicht übertragbar ist, ist die Rechenschaftspflicht: Die Leitung kann Aufgaben abgeben, ihre Verantwortung für die Wirksamkeit nicht.

Wer ist die oberste Leitung in einem Konzern?

Das hängt am Geltungsbereich. Ist ein einzelnes Werk zertifiziert, ist die Werkleitung die oberste Leitung im Sinne der Norm. Umfasst der Geltungsbereich mehrere Gesellschaften, ist es deren gemeinsame Leitungsebene. Kritisch wird es, wenn wesentliche Entscheidungen außerhalb des Geltungsbereichs fallen, etwa in einer Konzernzentrale im Ausland.

Wie viel Zeit muss die Geschäftsführung für ein Zertifizierungsaudit einplanen?

Eine feste Vorgabe gibt es nicht, die Zeit hängt von Größe und Geltungsbereich ab. Realistisch ist ein eigenes Gespräch mit dem Auditor plus die Teilnahme an Eröffnungs- und Abschlussgespräch. Wer nur zur Begrüßung erscheint, riskiert eine Feststellung zum Leitungskapitel — das ist einer der häufigeren Befunde bei Erstzertifizierungen.

Passend dazu