Methode und Werkzeug

SIPOC

SIPOC ist eine einseitige Übersicht, die einen Prozess über die fünf Spalten Lieferant, Eingabe, Prozess, Ergebnis und Kunde beschreibt und damit seine Grenzen festlegt.

Einschätzung anfragen Zum Inhalt

Prozessübersicht mit Lieferanten, Eingaben und Ergebnissen an einer Pinnwand

SIPOC beschreibt einen Prozess auf einer Seite über fünf Spalten: Lieferant, Eingabe, Prozess, Ergebnis, Kunde. Die Übersicht klärt keine Details, sondern Grenzen — wo der Prozess beginnt, wo er endet und wer etwas hineingibt oder herausbekommt. Genau darüber entsteht in Projekten der meiste Streit.

Die Buchstabenfolge legt eine Reihenfolge nahe, die nicht funktioniert. Wer links beginnt, beschreibt, was er ohnehin tut. Sinnvoll ist der umgekehrte Weg:

  1. Kunde. Wer nimmt das Ergebnis ab? Häufig ist es ein interner Empfänger, nicht der Endkunde.
  2. Ergebnis. Was genau bekommt dieser Kunde, und welche Anforderungen hat er daran?
  3. Prozess. Vier bis sieben Schritte, die vom Anfang zum Ergebnis führen.
  4. Eingabe. Was muss vorliegen, damit Schritt eins beginnen kann?
  5. Lieferant. Wer liefert diese Eingaben, intern oder extern?

Die Anforderungen des Kunden gehören dazu und werden regelmäßig weggelassen. Ohne sie steht in der Spalte O ein Dokumentname, aber keine Aussage darüber, wann das Ergebnis in Ordnung ist. Manche Varianten führen diese Anforderungen als eigene Spalte.

Wozu die Übersicht im Managementsystem taugt

ISO 9001 verlangt, dass die erforderlichen Prozesse mit ihren Eingaben und Ergebnissen bestimmt werden und dass Verantwortungen festgelegt sind. Ein SIPOC liefert genau diese Angaben in einer Form, die auch Beschäftigte ohne Normkenntnis in zwanzig Minuten ausfüllen können.

Zwei weitere Anwendungen sind naheliegend. Erstens die Klärung der Rolle des Prozesseigners: Die Spalten S und C benennen, mit wem er sich abstimmen muss. Zweitens die Auditvorbereitung — Auditoren fragen nach Schnittstellen und danach, wie Anforderungen an vorgelagerte Bereiche kommuniziert werden. Ein SIPOC beantwortet beides ohne Suchen.

Abgrenzung zu benachbarten Darstellungen

DarstellungBeantwortet
ProzesslandkarteWelche Prozesse gibt es, wie hängen sie zusammen?
SIPOCWo beginnt und endet ein Prozess, wer ist beteiligt?
FlussdiagrammIn welcher Reihenfolge, mit welchen Verzweigungen?

Wer ein SIPOC mit Entscheidungsrauten und Rücksprüngen füllt, hat ein schlechtes Flussdiagramm gebaut. Der Wert liegt in der Beschränkung.

Woran es scheitert

Der Kunde bleibt abstrakt. Steht in der Spalte C nur „Kunde”, fehlt der interne Empfänger — und damit der Ort, an dem die meisten Übergabefehler entstehen. Die Frage nach den interessierten Parteien hilft, diese Empfänger vollständig zu erfassen.

Der Betrachtungsbereich ist zu groß. „Auftragsabwicklung” von der Anfrage bis zur Zahlung ist kein Prozess für ein SIPOC, sondern eine Prozesskette. Das Ergebnis ist eine Tabelle, der niemand widerspricht und aus der niemand etwas ableitet.

Es wird allein am Schreibtisch erstellt. Der Nutzen entsteht im Gespräch, wenn Lieferant und Abnehmer feststellen, dass sie unterschiedliche Vorstellungen vom Ergebnis hatten. Ein nachträglich für die Prozesslandkarte ergänztes SIPOC ist Dokumentation ohne Erkenntnis.

Häufige Fragen

Wofür stehen die fünf Buchstaben?

Supplier, Input, Process, Output, Customer — auf Deutsch Lieferant, Eingabe, Prozess, Ergebnis und Kunde. Die Methode stammt aus dem Six-Sigma-Umfeld und wird dort in der Definitionsphase eingesetzt. Ihr Zweck ist nicht die Beschreibung des Ablaufs im Detail, sondern die Verständigung darüber, wo ein Prozess anfängt, wo er aufhört und wer beteiligt ist.

Wie viele Prozessschritte gehören in die mittlere Spalte?

Vier bis sieben. Die Spalte P beschreibt den Ablauf auf hoher Flughöhe, nicht jeden Handgriff. Wenn zwanzig Schritte nötig scheinen, ist der Betrachtungsbereich zu groß gewählt und sollte in zwei Prozesse geteilt werden. Verzweigungen und Entscheidungen gehören nicht hinein — dafür ist ein Flussdiagramm da.

Ersetzt SIPOC die Prozesslandkarte?

Nein, beide beantworten unterschiedliche Fragen. Die Prozesslandkarte zeigt, welche Prozesse es gibt und wie sie zusammenhängen — sie ist die Übersicht über das Ganze. SIPOC betrachtet einen einzelnen Prozess und klärt dessen Grenzen und Schnittstellen. In der Praxis ergänzen sie sich: die Landkarte für den Überblick, je ein SIPOC für die Prozesse, die Probleme machen.

Passend dazu