Rolle und Verantwortung

Sicherheitsbeauftragter

Der Sicherheitsbeauftragte unterstützt den Unternehmer ehrenamtlich bei der Unfallverhütung im eigenen Arbeitsbereich und ist ab regelmäßig mehr als 20 Beschäftigten zu bestellen.

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Begehung einer Fertigungshalle mit Blick auf Schutzeinrichtungen

Der Sicherheitsbeauftragte unterstützt den Unternehmer bei der Unfallverhütung — ehrenamtlich, neben seiner eigentlichen Arbeit und in seinem eigenen Bereich. Er ist ein Kollege mit offenem Blick, keine Aufsichtsperson. In Unternehmen mit regelmäßig mehr als 20 Beschäftigten ist die Bestellung Pflicht.

Was die Rolle tatsächlich leistet

Der Sicherheitsbeauftragte arbeitet dort, wo die Gefährdungen entstehen. Die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung bekommen so ein Gegenüber im Alltag, und die Bewertung von Risiken bleibt nicht auf dem Papier. Er achtet darauf, dass Schutzeinrichtungen vorhanden und benutzt werden, spricht Kollegen an, meldet Mängel und begleitet Begehungen.

Sein Wert liegt in der Nähe zum Arbeitsplatz. Eine externe Fachkraft für Arbeitssicherheit kommt in festgelegten Abständen. Der Sicherheitsbeauftragte steht jeden Tag daneben und bemerkt, dass die Absaugung seit drei Wochen schwächer zieht oder dass die Schutzbrille bei einem bestimmten Handgriff regelmäßig abgesetzt wird. Solche Beobachtungen tauchen in keiner Dokumentation auf.

Die Zahl der zu bestellenden Sicherheitsbeauftragten ergibt sich nicht aus einer festen Formel. Maßgeblich sind die Gefahren im Betrieb sowie die räumliche, zeitliche und fachliche Nähe zu den Beschäftigten. Ein Betrieb mit Schichtarbeit an mehreren Hallen braucht mehr als ein Bürounternehmen gleicher Größe — die Nachtschicht ohne eigenen Sicherheitsbeauftragten ist die typische Lücke.

Drei Rollen, die ständig verwechselt werden

RolleGrundlageKern
SicherheitsbeauftragterSozialgesetzbuch VII, DGUV Vorschrift 1ehrenamtlich, unterstützend, ohne Weisungsbefugnis
Fachkraft für ArbeitssicherheitArbeitssicherheitsgesetzfachkundige Beratung, festgelegte Einsatzzeiten
BetriebsarztArbeitssicherheitsgesetzarbeitsmedizinische Betreuung

Die Fachkraft für Arbeitssicherheit berät den Unternehmer fachlich und braucht eine nachgewiesene Fachkunde. Der Sicherheitsbeauftragte braucht keine Ausbildung dieser Art, muss aber Gelegenheit bekommen, an Aus- und Fortbildungsmaßnahmen teilzunehmen — während der Arbeitszeit. Für ein Managementsystem nach ISO 45001 sind beide Rollen zu ermitteln und zu belegen.

Eine vierte Verwechslung entsteht durch die Wortähnlichkeit: Der Informationssicherheitsbeauftragte hat mit Arbeitsschutz nichts zu tun. In Stellenausschreibungen und Organigrammen werden beide Bezeichnungen regelmäßig vermischt.

Woran es scheitert

Bestellt, aber nicht freigestellt. Wer die Aufgabe zusätzlich zur vollen Arbeitsbelastung bekommt und nie eine Stunde dafür zugestanden bekommt, füllt eine Karteikarte. Die Rolle braucht Zeit für Begehungen und für die Teilnahme an Besprechungen des Arbeitsschutzausschusses.

Die Bestellung ist nicht schriftlich nachweisbar. Im internen Audit und gegenüber der Berufsgenossenschaft zählt die Aufzeichnung. Eine mündliche Beauftragung im Flur ist keine.

Der Sicherheitsbeauftragte meldet, es passiert nichts. Nach zwei folgenlosen Hinweisen hört das Melden auf. Ein knapper, nachverfolgter Mängelweg mit Rückmeldung ist wirksamer als jede Schulung.

Die Rolle wird als Sanktion oder Restposten vergeben. Sinnvoll ist die Person, die im Team ohnehin gefragt wird — Akzeptanz ersetzt hier Befugnis, die es nicht gibt.

Häufige Fragen

Ab wann muss ein Sicherheitsbeauftragter bestellt werden?

Nach dem Siebten Buch Sozialgesetzbuch sind Sicherheitsbeauftragte in Unternehmen mit regelmäßig mehr als 20 Beschäftigten zu bestellen. Maßgeblich ist die regelmäßige Beschäftigtenzahl, nicht ein Stichtag. Teilzeitkräfte zählen mit. Wie viele Sicherheitsbeauftragte nötig sind, richtet sich nach den Unfall- und Gesundheitsgefahren sowie der räumlichen, zeitlichen und fachlichen Nähe zu den Beschäftigten.

Haftet der Sicherheitsbeauftragte für Unfälle?

Nein. Er hat keine Weisungsbefugnis und keine Verantwortung für die Durchführung des Arbeitsschutzes. Diese bleibt beim Unternehmer und bei den Führungskräften, an die sie übertragen wurde. Der Sicherheitsbeauftragte unterstützt, beobachtet und weist auf Mängel hin. Wegen dieser Tätigkeit darf ihm kein Nachteil entstehen — das ist ausdrücklich geregelt.

Verlangt ISO 45001 einen Sicherheitsbeauftragten?

Nicht als eigene Rolle. Die Norm verlangt aber, dass rechtliche Verpflichtungen ermittelt und eingehalten werden. Fehlt in einem Betrieb mit mehr als 20 Beschäftigten der Sicherheitsbeauftragte, ist das damit auch eine Abweichung vom Managementsystem — über den Umweg der Rechtskonformität. Das wird bei Zertifizierungsaudits regelmäßig geprüft.

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