Norm und Regelwerk

Qualitätsmanagementsystem

Ein Qualitätsmanagementsystem ist die Gesamtheit aus Politik, Zielen, Prozessen, Zuständigkeiten und Nachweisen, mit der eine Organisation die Qualität ihrer Leistungen steuert.

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Mitarbeiterin prüft Unterlagen des Qualitätsmanagementsystems am Arbeitsplatz

Ein Qualitätsmanagementsystem, kurz QMS, ist der Rahmen, in dem eine Organisation die Qualität ihrer Leistungen steuert: Politik und Ziele, die zugehörigen Prozesse, die Zuständigkeiten dafür und die Nachweise, dass es funktioniert. Es ist kein Ordner, kein Softwaretool und kein Zertifikat. Alle drei können dazugehören, keines davon ist das System.

Die Tätigkeit und der Rahmen sind zwei Dinge

Qualitätsmanagement bezeichnet das Tun: Anforderungen klären, Abläufe planen, Ergebnisse prüfen, Fehler abstellen. Das geschieht in jedem Betrieb, auch in einem ohne Norm — nur eben personengebunden und ohne Nachweis.

Das Qualitätsmanagementsystem macht daraus etwas Wiederholbares. Es legt fest, wer entscheidet, nach welchen Kriterien, in welchem Rhythmus bewertet wird und woran sich das später belegen lässt. Der Unterschied wird beim Personalwechsel sichtbar: Tätigkeit geht mit der Person, ein System bleibt.

Woraus ein QMS besteht

  • Geltungsbereich — welche Standorte, Prozesse und Leistungen erfasst sind und was begründet ausgenommen ist
  • Kontext und interessierte Parteien — Kunden, Behörden, Eigentümer und ihre Anforderungen
  • Qualitätspolitik und Ziele — die Absicht der Leitung und ihre messbare Übersetzung
  • Prozesse — mit Eingaben, Ergebnissen, Verantwortlichen und Steuerungskriterien
  • Ressourcen und Kompetenz — Personal, Infrastruktur, Prüfmittel, Qualifikation
  • Dokumentierte Information — Vorgaben und Aufzeichnungen in gelenkter Form
  • Bewertung — Kennzahlen, Kundenrückmeldungen, internes Audit, Managementbewertung
  • Verbesserung — Umgang mit Abweichungen, Korrekturmaßnahmen, Wirksamkeitsnachweis

Diese Bestandteile folgen der einheitlichen Struktur aller Managementsystemnormen. Das Managementsystem als Oberbegriff funktioniert für Umwelt, Energie oder Informationssicherheit genauso — der Unterschied liegt fast vollständig im Betriebskapitel, das bei ISO 9001 Entwicklung, Beschaffung, Produktion und Fehlerbehandlung regelt.

Was oft mit dem System verwechselt wird

BegriffWas es ist
QM-HandbuchEine Beschreibung des Systems, seit 2015 nicht mehr gefordert
ZertifikatDie Bestätigung eines Dritten, dass die Norm erfüllt ist
QM-SoftwareEin Werkzeug für Dokumente, Termine und Auswertungen
QualitätssicherungEin Teil des Qualitätsmanagements: der prüfende Teil

Am folgenreichsten ist die zweite Zeile. Wer das Zertifikat für das System hält, baut auf das Audit hin und nicht auf den Betrieb — und stellt zwischen zwei Audits die Pflege ein.

Woran ein wirksames System erkennbar ist

Es gibt drei Prüfungen, die schneller sind als jedes Dokumentenstudium.

Kennt die Fachkraft ihre eigene Vorgabe? Wenn die Person an der Maschine die geltende Arbeitsanweisung ohne Hilfe findet und ihr Inhalt der gelebten Praxis entspricht, trägt das System.

Führen Abweichungen zu Änderungen? Eine Reklamation, die zu einer geänderten Prüfanweisung geführt hat, ist ein stärkerer Beleg als jede Kennzahlentabelle.

Wird zwischen den Audits gearbeitet? Wenn Kennzahlen, Bewertungen und Freigabedaten sich in den Wochen vor dem Audit häufen, existiert das System für den Auditor, nicht für den Betrieb.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Qualitätsmanagement und Qualitätsmanagementsystem?

Qualitätsmanagement ist die Tätigkeit: planen, lenken, sichern, verbessern. Das Qualitätsmanagementsystem ist der Rahmen, in dem diese Tätigkeit dauerhaft und nachvollziehbar stattfindet — mit Politik, Zielen, Prozessen, Zuständigkeiten und Nachweisen. Qualitätsmanagement betreiben alle Betriebe irgendwie. Ein System hat, wer es beschrieben, zugewiesen und belegbar gemacht hat.

Braucht ein QMS ein Handbuch?

ISO 9001 verlangt seit der Ausgabe 2015 kein Qualitätsmanagementhandbuch mehr, sondern dokumentierte Information in dem Umfang, den die Organisation für die Wirksamkeit ihrer Prozesse benötigt. Viele Betriebe führen trotzdem eines, weil Kunden es in Lieferantenaudits erwarten. Ein Handbuch ist dann eine Einstiegs- und Verweisebene, nicht das System selbst.

Muss ein Qualitätsmanagementsystem zertifiziert sein?

Nein. Ein QMS kann vollständig aufgebaut und wirksam sein, ohne dass eine Zertifizierungsstelle es geprüft hat. Die Zertifizierung ist der Nachweis gegenüber Dritten, meist gefordert von Kunden, Ausschreibungen oder Konzernvorgaben. Ohne diesen äußeren Anlass ist ein nicht zertifiziertes System eine wirtschaftlich vertretbare Entscheidung.

Welche Norm beschreibt die Anforderungen an ein QMS?

ISO 9001 enthält die zertifizierbaren Anforderungen. ISO 9000 liefert die Begriffe und Grundsätze, ISO 9004 eine Anleitung zur Weiterentwicklung über die Zertifizierungsanforderungen hinaus. Branchenregelwerke wie IATF 16949 für die Automobilzulieferung oder ISO 13485 für Medizinprodukte ergänzen ISO 9001 um zusätzliche Forderungen.

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