Konformitätsbewertung ist der geregelte Nachweis, dass Anforderungen erfüllt sind. Der Begriff umfasst mehr als die Zertifizierung: Prüfung, Inspektion, Validierung, Erklärung des Herstellers und Zertifizierung sind alles Formen davon. Was sie unterscheidet, ist die Frage, wer bewertet.
Die drei Parteien
Erste Partei. Die Organisation bewertet sich selbst. Dazu gehören das interne Audit und die Konformitätserklärung des Herstellers. Der Vorteil ist Sachkenntnis, der Nachteil ist das eigene Interesse am Ergebnis.
Zweite Partei. Ein Kunde bewertet seinen Lieferanten. Das Lieferantenaudit prüft gegen die eigenen Anforderungen des Kunden, nicht gegen eine Norm. Es ist oft schärfer als ein Zertifizierungsaudit, weil es sich auf wenige, für den Kunden kritische Prozesse konzentriert.
Dritte Partei. Eine unabhängige Zertifizierungsstelle bewertet und stellt bei positivem Ergebnis ein Zertifikat aus. Nur diese Form erzeugt ein Dokument, das gegenüber beliebigen Dritten wirkt.
Akkreditierung ist die Prüfung der Prüfer
Hier liegt die häufigste Verwechslung. Die Zertifizierungsstelle zertifiziert das Unternehmen. Die Akkreditierungsstelle akkreditiert die Zertifizierungsstelle. In Deutschland gibt es dafür genau eine zuständige Stelle, die DAkkS.
Welche Regel dabei gilt, hängt vom Gegenstand ab:
| Gegenstand | Regelwerk für die Stelle |
|---|---|
| Managementsysteme | ISO/IEC 17021-1 |
| Produkte | ISO/IEC 17065 |
| Prüf- und Kalibrierlaboratorien | ISO/IEC 17025 |
| Personen | ISO/IEC 17024 |
Der praktisch wichtigste Punkt kommt danach: Eine Akkreditierung gilt immer nur für einen festgelegten Umfang. Eine Stelle kann für ISO 9001 akkreditiert sein, für ISO 45001 aber nicht. Wer beide Normen bei einer Stelle zertifizieren lässt, sollte den Geltungsbereich der Akkreditierung prüfen, nicht nur das Vorhandensein eines Akkreditierungssymbols. Das Verzeichnis der DAkkS ist öffentlich.
Unparteilichkeit ist die Kernbedingung
Die Regelwerke der 17000er-Reihe drehen sich zu großen Teilen um eine Frage: Kann die Stelle unbefangen entscheiden? Daraus folgen Beratungsverbot, Rotation der Auditoren über die Zertifizierungszyklen und die Trennung zwischen dem Auditteam und der Person, die die Zertifizierungsentscheidung trifft.
Diese Trennung wird im Alltag oft übersehen. Der Auditor empfiehlt, er entscheidet nicht. Zwischen dem Abschlussgespräch und dem Zertifikat liegt eine unabhängige fachliche Überprüfung des Auditberichts. Das ist der Grund, warum die Entscheidung Wochen dauern kann — und warum eine offene Hauptabweichung den Termin unabhängig vom Auditverlauf verschiebt.
Woran es in der Praxis scheitert
Der typische Fehler ist die Auswahl der Stelle nach Verfügbarkeit statt nach Umfang. Kurz vor Ablauf eines Zertifikats wird eine Stelle beauftragt, die schnell Kapazität hat. Fällt später auf, dass ihre Akkreditierung den eigenen Wirtschaftszweig nicht abdeckt, ist das Zertifikat für Kunden, die ausdrücklich akkreditierte Nachweise fordern, wertlos — und der Ablauf der Zertifizierung beginnt von vorn.
