Rolle und Verantwortung

Lead Implementer

Der Lead Implementer leitet den Aufbau eines Managementsystems von der Lückenanalyse bis zur Zertifizierungsreife, ohne es später zu auditieren oder dauerhaft zu betreiben.

Einschätzung anfragen Zum Inhalt

Kleines Projektteam stimmt den Aufbau eines Managementsystems ab

Der Lead Implementer führt den Aufbau eines Managementsystems: von der Lückenanalyse über die Festlegung des Geltungsbereichs bis zur Begleitung des Zertifizierungsaudits. Die Rolle ist ein Projektauftrag, keine Normanforderung. Der Begriff stammt aus englischsprachigen Personenzertifizierungen und ist im Umfeld von ISO/IEC 27001 am gebräuchlichsten.

Was in der Rolle tatsächlich anfällt

Der Aufgabenzuschnitt ist über Normen hinweg ähnlich:

  • Geltungsbereich abgrenzen und mit der Leitung abstimmen
  • Lückenanalyse gegen die Norm und Ableitung eines Umsetzungsplans mit Terminen
  • Prozesse, Rollen und Zuständigkeiten festlegen, dokumentierte Information aufbauen
  • das Risikoverfahren einführen — bei ISO 27001 einschließlich Statement of Applicability
  • Beteiligte schulen und die ersten internen Audits organisieren
  • die Zertifizierungsstelle auswählen und das Stufe-1-Audit vorbereiten

Der zeitliche Rahmen wird dabei fast immer unterschätzt. Wo die üblichen Engstellen liegen, beschreibt der Beitrag dazu, wie lange die Einführung eines Managementsystems wirklich dauert.

Drei Rollen, die regelmäßig vermischt werden

RolleAufgabeZeitraumUnabhängigkeit
Lead ImplementerSystem aufbauenbefristetes Projektkeine, er gestaltet
Lead AuditorSystem prüfen und bewerteneinzelnes Auditzwingend
BeauftragterSystem betreiben und pflegendauerhaft, in der Linieeingeschränkt

Die dritte Zeile ist die wichtigste für die Planung. Ein Aufbauprojekt endet mit dem Zertifikat, der Betrieb beginnt dort erst. Wird die Rolle des Beauftragten nicht rechtzeitig besetzt, fällt das System nach dem ersten Überwachungsaudit auseinander — der Externe ist weg, und intern fühlt sich niemand zuständig.

Die zweite Zeile hat eine harte Grenze: Wer aufgebaut hat, prüft nicht dasselbe. Das gilt intern wie extern. Eine akkreditierte Zertifizierungsstelle darf einen Kunden nicht zertifizieren, den sie beim Aufbau beraten hat; üblich ist eine Karenz von zwei Jahren. Angebote, die Aufbau und Zertifikat aus einer Hand versprechen, sollten Sie danach fragen, wer die Zertifizierungsentscheidung trifft.

Was das Personenzertifikat aussagt

Es belegt eine bestandene Prüfung bei einem Anbieter, mehr nicht. Es ist kein geschützter Titel, es wird von keiner ISO vergeben, und es überträgt sich nicht auf das Unternehmen. Ein Betrieb wird nicht dadurch zertifizierungsreif, dass er jemanden mit diesem Zertifikat beschäftigt.

Aussagekräftiger sind zwei Fragen: Wie viele Systeme dieser Größe und Branche hat die Person aufgebaut, und was ist danach daraus geworden? Ein System, das nach zwei Jahren noch gepflegt wird, ist der belastbarere Nachweis.

Woran Aufbauprojekte scheitern

Das System wird für den Betrieb gebaut, aber ohne ihn. Ein extern erstelltes Regelwerk, das die Fachbereiche zum ersten Mal im internen Audit sehen, erzeugt Widerstand und Feststellungen.

Die Vorlagensammlung ersetzt die Analyse. Fertige Dokumente sind schnell, passen aber nicht zu den tatsächlichen Abläufen. Im Audit fällt das auf, sobald der Auditor die Person fragt, die den Prozess ausführt.

Der Übergang ist nicht geregelt. Zum Projektende gehören eine Übergabe an den benannten Beauftragten, ein Auditprogramm für die kommenden drei Jahre und eine Liste der offenen Punkte — sonst endet das Projekt mit dem Zertifikat und nicht mit einem laufenden System.

Häufige Fragen

Fordert eine ISO-Norm einen Lead Implementer?

Nein. Keine Managementsystemnorm kennt diese Rolle. Der Begriff stammt aus englischsprachigen Personenzertifizierungen, vor allem im Umfeld von ISO/IEC 27001. Für das Zertifizierungsaudit ist es ohne Bedeutung, ob jemand mit diesem Titel mitgewirkt hat. Geprüft wird das System, nicht die Ausbildung der Personen, die es aufgebaut haben.

Darf der Lead Implementer das System später auditieren?

Nicht die Teile, die er selbst gestaltet hat. Interne Auditoren dürfen ihre eigene Arbeit nicht prüfen, weil Unabhängigkeit ein Grundsatz des Auditierens ist. Wer Prozesse beschrieben und Maßnahmen ausgewählt hat, bewertet deren Umsetzung nicht unbefangen. In kleinen Organisationen löst man das über gegenseitige Audits oder externe Auditoren.

Kann die Zertifizierungsstelle den Aufbau begleiten?

Nur mit erheblichen Einschränkungen. Die Regeln für akkreditierte Zertifizierungsstellen untersagen es, einen Kunden zu zertifizieren, den die Stelle beim Aufbau seines Managementsystems beraten hat. Üblich ist eine Karenzzeit von zwei Jahren. Aufbaubegleitung und Zertifizierung gehören deshalb in getrennte Hände, auch wenn ein Anbieter beides im Programm hat.

Was unterscheidet einen Lead Implementer von einem Berater?

In der Praxis wenig. Der Titel bezeichnet eine bestandene Prüfung, keine geregelte Tätigkeit. Aussagekräftiger als das Zertifikat sind Referenzen in vergleichbarer Größe und Branche sowie die Frage, wer nach dem Projekt weiterarbeitet. Ein Aufbau, der auf einer Vorlagensammlung beruht, hinterlässt ein System, das niemand im Betrieb erklären kann.

Passend dazu