Methode und Werkzeug

Recovery Time Objective

Die Recovery Time Objective ist die Zeitvorgabe, innerhalb derer eine unterbrochene Aktivität wieder auf einem festgelegten Mindestniveau arbeiten muss.

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Tafel mit Kennzahlen zur Verfügbarkeit

Die Recovery Time Objective, kurz RTO, ist die Zeitvorgabe für den Wiederanlauf: Innerhalb dieser Spanne muss eine unterbrochene Aktivität wieder auf einem vorher festgelegten Mindestniveau arbeiten. Sie ist eine Vorgabe aus der Business Impact Analyse, keine technische Eigenschaft eines Systems.

Die RTO kommt aus dem Fachbereich, nicht aus der IT

Das ist die Reihenfolge, die in der Praxis am häufigsten umgedreht wird. Typischer Ablauf: Die IT nennt die Zeit, die eine Wiederherstellung aus dem Backup erfahrungsgemäß dauert, und diese Zahl wird zur RTO erklärt. Damit ist die Vorgabe automatisch erfüllt und sagt nichts aus.

Richtig ist der umgekehrte Weg. Die BIA ermittelt, wie lange die Aktivität ausfallen darf, bevor der Schaden untragbar wird. Die RTO wird darunter gesetzt, mit Abstand. Erst danach wird geprüft, ob die vorhandene Technik das leistet. Wenn nicht, ist genau das ein Risiko, das behandelt werden muss — nicht ein Anlass, die Vorgabe anzupassen.

Was in der Zeitspanne alles steckt

Die RTO beginnt mit dem Eintritt der Störung. Bis der Wiederanlauf startet, vergehen mehrere Abschnitte:

  1. Die Störung tritt ein.
  2. Sie wird bemerkt — durch Überwachung oder durch einen Anruf.
  3. Sie wird gemeldet und eskaliert.
  4. Jemand entscheidet, den Kontinuitätsplan auszulösen.
  5. Die Wiederherstellung läuft.
  6. Die Aktivität arbeitet auf dem Mindestniveau.

Die Schritte zwei bis vier verbrauchen regelmäßig mehr Zeit als Schritt fünf, vor allem außerhalb der Arbeitszeit. Eine RTO von vier Stunden bei einer Rufbereitschaft mit einer Stunde Reaktionszeit und einer Wiederherstellung von zweieinhalb Stunden ist rechnerisch bereits ausgereizt, bevor die erste Verzögerung eintritt.

Nach dem Mindestniveau folgt die Nacharbeit: aufgelaufene Aufträge, nachzuerfassende Buchungen, Prüfungen. Diese Wiederherstellungszeit der Arbeit gehört nicht in die RTO, aber in die Planung.

Das Mindestniveau muss beziffert sein

„Wieder verfügbar“ ist keine prüfbare Aussage. Sinnvoll ist eine Angabe wie: Versand von mindestens der Hälfte des normalen Tagesvolumens, Zugriff auf die Stammdaten der letzten zwei Jahre, Telefonie für die Auftragsannahme. Ohne diese Festlegung endet jede Übung in der Diskussion, ob das Ziel erreicht wurde.

RTO und Vertragszusagen

Kunden fragen Wiederanlaufzeiten in ihrer Lieferantenbewertung ab, und die Antwort landet häufig unverändert im Rahmenvertrag. Damit wird aus einer internen Planungsgröße eine vertragliche Verpflichtung. Prüfen Sie vor jeder Zusage zwei Dinge: ob die Zeit durch eine Übung belegt ist und ob sie auch außerhalb der Regelarbeitszeit gilt. Eine RTO, die nur werktags von acht bis siebzehn Uhr trägt, gehört mit genau dieser Einschränkung in den Vertrag.

Woran es scheitert

Einheitliche RTO für alles. Wenn jede Aktivität dieselbe Vorgabe trägt, wurde nicht priorisiert. Die Folge sind Investitionen an den falschen Stellen.

Zusage ohne Test. ISO 22301 verlangt Übungen. Eine RTO, die nur auf Papier existiert, hält im Ernstfall selten — und im Zertifizierungsaudit ist der fehlende Übungsnachweis eine der ersten Fragen.

Abhängigkeiten übersehen. Ein System kann innerhalb der RTO laufen und trotzdem nutzlos sein, weil die Schnittstelle zum Lieferanten oder die Person mit der Freigabebefugnis fehlt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen RTO und maximal tolerierbarer Ausfalldauer?

Die maximal tolerierbare Ausfalldauer ist die Grenze, ab der der Schaden untragbar wird — eine Eigenschaft der Aktivität. Die RTO ist die selbst gesetzte Zielzeit für den Wiederanlauf und muss darunter liegen. Liegt die RTO gleichauf oder darüber, ist die Planung in sich widersprüchlich. Diesen Abgleich prüfen Auditoren gezielt.

Ab wann läuft die RTO?

Ab dem Eintritt der Unterbrechung, nicht ab ihrer Erkennung und nicht ab der Entscheidung, den Notfallplan auszulösen. Das ist der häufigste Rechenfehler. Erkennung, Alarmierung und Eskalation verbrauchen einen erheblichen Teil des Zeitfensters, besonders wenn eine Störung nachts oder am Wochenende beginnt.

Gehört die Nacharbeit in die RTO?

Nein. Die RTO endet, wenn die Aktivität auf dem vereinbarten Mindestniveau arbeitet. Das Aufholen der liegen gebliebenen Arbeit bis zum Normalbetrieb wird gesondert als Wiederherstellungszeit der Arbeit betrachtet. Sie wird oft vergessen, obwohl sie in datenintensiven Prozessen länger dauern kann als der technische Wiederanlauf.

Wie wird eine RTO nachgewiesen?

Durch Übungen und Tests. ISO 22301 fordert ein Programm, in dem die Kontinuitätslösungen erprobt werden. Eine zugesagte RTO, die nie unter realistischen Bedingungen gemessen wurde, ist eine Absichtserklärung. Getestet werden sollte einschließlich Alarmierung und Entscheidungswegen, nicht nur die technische Wiederherstellung.

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